Aschfahle Askese, glühende Intensität
Olivier Py hat in seiner Pariser Inszenierung Francis Poulencs Passionsspiel über den Märtyrertod der Karmeliterinnen von Compiègne während der Französischen Revolution auf seinen existenziellen Anlass und Kern reduziert: die Lebens- und Todesangst der Novizin Blanche de La Force, die sich ins Kloster flüchtet, aber auch dort nicht die Ruhe findet, die sie sucht.
Pierre-André Weitz’ karge Ausstattung mit ihren verschiebbaren Wänden reduziert die Bühne auf das Wesentliche – Revolution und Außenwelt sind nur angedeutet (wenn Slogans wie «Liberté» und «Égalite» von den Nonnen explizit auf Gott bezogen werden), kräftigere Farben als Grau-, Blau- und Weißtöne in den stilisierten Kostümen vermieden. Christliche Ikonografie – Verkündigung, Pietà, Kreuzigung, das letzte Abendmahl – wird nur zu einigen der instrumentalen Zwischenspiele in der Art primitiver Malerei als stumme, von den Nonnen gespielte Tableaus gezeigt. Ein einziges Mal, beim blasphemischen Tod der alten Priorin, deren Bett, hoch an der Wand, wie eine Kanzel senkrecht in den Raum ragt, greift Py zu einem drastischen Bild. Aktualisierung, Dekonstruktion, Übermalung des Geschehens liegt ihm fern. Poulencs Titel versteht er ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Uwe Schweikert
Einer fegt. Gegen Ende der neuen Zürcher «Zauberflöte» kehrt jemand den letzten Rest Reisig zusammen, der die Szene noch verunzierte: Ordnung, Sauberkeit, Kultur, wo lange Natur, Wildnis, Urzustand herrschten. Aufgeräumtheit, wo vorher abgeholztes Gestrüpp herumlag. Licht, wo bis dato Feuer war. Und das von Bühnenbildner Klaus Grünberg zentral platzierte Haus, das...
Ein Wischmopp samt rotem Eimer? Mag sein, dass in diesem augenfälligen Requisit im ersten Akt von «Fidelio» ein zentraler Deutungsansatz der britischen Regisseurin Deborah Warner steckt. Ein anderer könnte der Schluss des zweiten Akts sein, wenn unter ohrenbetäubendem Lärm eine Betonmauer in sich zusammenstürzt. Unter dem Ansturm urbaner Ikonoklasten? Ein Mauerfall...
Ehrgeiz ist ein unzuverlässiger Freund. Ich habe mein Leben lang versucht, die richtige Balance zu finden, immer meinen alten Gesangslehrer im Hinterkopf. Robert Tear mühte sich nicht bloß mit meiner Stimme ab, er war fast so etwas wie ein Zen-Meister für mich. Und er gab mir Folgendes mit auf den Weg: «Es ist gut, ehrgeizig zu sein. Man sollte bloß nicht zu genau...
