Apropos...Verdi
Herr Lucic, Inszenierungen des «Macbeth» spielen häufig in einer Ostblock-Diktatur. Sie sind in einer Ostblock-Diktatur groß geworden. Sehen Sie auch diese Parallele?
Ich würde das nicht vergleichen. Für mich ist Macbeth einfach eine verrückte, blutige Figur, die im Grund ganz unsicher ist. Ich sehe ihn auch nicht als zutiefst bösen Menschen. Für mich erklärt sich Macbeth von seiner letzten Arie her – in diesem Monolog zeigt er seine wahren Gefühle, und es wird klar, dass er eigentlich kein Blut wollte.
Er ist also selbst eher ein Opfer?
Ich sehe ihn als einen guten Menschen, einen General, der einfach sein Gewissen verloren hat und von der Prophezeiung der Hexen in Versuchung geführt worden ist. Er ergreift ja nie selbst die Initiative, sondern wird von seiner Frau getrieben.
Hat Verdi da Recht? Sind die Frauen an allem schuld?
Man muss leider sagen, dass die blutigsten Gewalttaten der Geschichte von Männern verübt worden sind. Und ich glaube nicht, dass sie auf den dämonischen Einfluss von Frauen zurückzuführen sind.
Bei Ihrer Gestaltung der großen Verdi-Partien hat man immer das Gefühl, dass diese Figuren mit einem Schicksal kämpfen, das stärker ist als sie selbst.
Für mich sind das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2011
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf
Zum Abschluss der an entdeckerischem Wagemut wahrlich nicht armen Saison wartete die Oper Frankfurt mit zwei weiteren Premieren abseits des üblichen Repertoires auf. Beide Stücke, Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Aulis Sallinens «Kullervo», spielen in mythischer Vorzeit, also heute. Beide Male, in der 1693 uraufgeführten Barockoper wie in der fast genau...
Kaum zu glauben: Alban Bergs «Lulu», längst ein Klassiker des modernen Musiktheaters, erlebte erst jetzt, 74 Jahre nach der Uraufführung, in Erfurt ihre thüringische Premiere. Im Spielplan des Hauses ist sie gleichsam Fortsetzung der im vergangenen Jahr ausgegrabenen «Nana» von Manfred Gurlitt, die etwa zur selben Zeit entstanden ist. «Anstrengende Opernkost»,...
Eigentlich ist die Geschichte zu grotesk, um glaubwürdig zu sein. Gerade beginnen sich die Alliierten im Zweiten Weltkrieg durchzusetzen, dämmert es allen Beteiligten, dass Hitlers Traum vom Tausendjährigen Reich nicht mehr war als eine aberwitzig-grausame Selbstüberhöhung, da entscheidet sich der lettische Komponist und Dirigent Bruno Skulte, zu dieser Zeit...
