Im Todeskampf der Geschlechter
Zum Abschluss der an entdeckerischem Wagemut wahrlich nicht armen Saison wartete die Oper Frankfurt mit zwei weiteren Premieren abseits des üblichen Repertoires auf. Beide Stücke, Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Aulis Sallinens «Kullervo», spielen in mythischer Vorzeit, also heute. Beide Male, in der 1693 uraufgeführten Barockoper wie in der fast genau dreihundert Jahre jüngeren Oper des international renommierten finnischen Komponisten, geht es um Familiengeschichten – genauer: um die in den engsten menschlichen Beziehungen herrschenden Gewaltverhältnisse.
Die aus der griechischen Mythologie stammende Sage vom Schicksal Medeas ist noch immer die paradigmatische Erzählung vom Liebesverrat des Mannes, auf den die bedingungslos liebende Frau mit grausamer Rache reagiert – dem Mord an ihren beiden Kindern. Weil diese Geschichte täglich passiert, situieren sie der Regisseur David Hermann und sein Bühnenbildner Christof Hetzer in der Spielstätte im Bockenheimer Depot denn auch in einer sterilen Designerwohnung samt Küchenzeile und Sprossenwand. Hermann gibt dem Ganzen einen Stich ins Ironische: König Créon (Simon Bailey) fläzt sich im Morgenmantel auf die Sitzcouch; der ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Uwe Schweikert
Die Münchner Sonntagskonzerte, 1952 vom Bayerischen Rundfunk ins Leben gerufen und anfangs ganz der leichten Muse gewidmet, entwickelten sich in den 60er-Jahren zu einem Festival großer Opernstimmen. Als Schüler habe ich kaum eine der Sendungen verpasst, in denen auch einige Sänger mitwirkten, von denen es keine Schallplattenaufnahmen gibt und die heute fast oder...
Was wären wir ohne Silke Leopolds Bücher über Monteverdi und Händel, ohne ihren monumentalen Überblick zum musikalischen Theater des 17. Jahrhunderts? Unter den vielfältigen Forschungsinteressen der Heidelberger Musikwissenschaftlerin nimmt die frühe Operngeschichte besonderen Raum ein. Eine ihrer zentralen und vielsträngig verfolgten Beobachtungen ist, dass Musik...
Verkaufen gehört zum Geschäft. Die «Uraufführung der authentischen deutschen Fassung» von Smetanas «Verkaufter Braut» kündigt das Styriarte-Festival in Graz an. Die Lokalzeitung titelt von «Jägern des verlorenen Schatzes». So groß ist die Sensation dann doch nicht. Oder genauer: Trotz allem Werbegetrommel liegt das Besondere der Aufführung keineswegs in der...
