Apropos... Figur(en)

Nach der Mainzer «Don Carlo»-Premiere erntet die Sängerin der Elisabetta Ovationen, nur einen Abend darauf, bei der Wiederaufnahme von Wagners «Tannhäuser» in Wiesbaden, brandet Jubel für die neue Senta auf. Beide Rollen verkörpert dieselbe Frau: VIDA MIKNEVIČIŪTĖ. In der kommenden Spielzeit gibt die litauische Sopranistin ihr Debüt an der Berliner Staatsoper – als Chrysothemis in Patrice Chéreaus legendärer «Elektra»-Inszenierung

Opernwelt - Logo

Frau Miknevičiūtė, heute Verdi, morgen Wagner: Wie ist das möglich?
Das war auch für mich eine Ausnahme und hat sich mit den Terminen so ergeben. Aber wenn ich mir sicher bin, dass mir eine Partie gut liegt, möchte ich sie auch singen.

Es  heißt doch immer, ein «Nein» sei der beste Weg für eine lange Sängerkarriere. Mit Senta gehen Sie einen Schritt weiter in die dramatische Richtung. Was gibt Ihnen diese Sicherheit?
Man kann nicht alles immer vorher wissen.

Darum habe ich auf die Anfrage aus Wiesbaden geantwortet: Ich möchte das gern probieren, wir müssen sehen, ob es funktioniert – und wenn sie nicht zufrieden sind, dann gehen wir wieder getrennt unserer Wege, ohne Ärger.

Also ein «Vielleicht» mit glücklichem Ausgang. Wann haben Sie in Ihrer Laufbahn erstmals «Nein» gesagt?
Ziemlich zu Anfang. Ich wollte schon immer singen, auf dem Musikgymnasium hieß es aber: «Du hast die perfekten Finger für das Klavier!» Naja, das habe ich zehn Jahre lang täglich stundenlang geübt, bis ich mich entschied, meinem Wunsch nach Gesangsstunden zu folgen und zu wechseln.
 
Sie haben 2011 in Mainz als Elettra in «Idomeneo» begonnen. Stand da Wagner schon am Horizont?
Ich war im Studium ein lyrischer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Claus Ambrosius

Weitere Beiträge
Schuldenwolken über dem Maggio Musicale

Italiens 1933 gegründetes Vorzeigefestival kann stolz sein auf seine state of the art-Spielstätte, das Teatro di Maggio. Doch der Preis war hoch für den Multiplex, der einen Hauptsaal (1800 Plätze), eine Konzerthalle (1100) sowie eine Freiluft-Cavea  (2000) umfasst. In den sechs Baujahren bis 2014 schossen die Kosten von 80 auf 270 Millionen Euro hoch, wuchs das...

Nicht nur Symphoniker

Auch wenn es oft nach Nebenbeschäftigung aussah, außerhalb der Instrumentalwelten von Birmingham oder Berlin: Simon Rattle war seit seinen Anfängen ein engagierter Operndirigent – wie seine Berliner Vorgänger Herbert von Karajan und Claudio Abbado. Schon der 20-Jährige dirigierte beim Opernfestival von Glyndebourne, am Pult der Bournemouth Sinfonietta, deren...

Der König ist nackt

«I am the king», sagt der König. Und noch einmal. Und während er das sagt, lässt er vor dem gesamten Hofstaat schwungvoll seine Hosen auf die Knöchel gleiten – Staatsaffären zur Morgentoilette. Das Publikum kichert. Aber den melancholisch verweilenden Sekundreibungen ist anzuhören: Mit einem König, der sich seines Königseins derart nachdrücklich versichern muss,...