Schuldenwolken über dem Maggio Musicale
Italiens 1933 gegründetes Vorzeigefestival kann stolz sein auf seine state of the art-Spielstätte, das Teatro di Maggio. Doch der Preis war hoch für den Multiplex, der einen Hauptsaal (1800 Plätze), eine Konzerthalle (1100) sowie eine Freiluft-Cavea (2000) umfasst. In den sechs Baujahren bis 2014 schossen die Kosten von 80 auf 270 Millionen Euro hoch, wuchs das Defizit gewaltig, wurden Arbeitsplätze eingestampft, Manager ausgewechselt, wüteten Streiks und politisches Tauziehen.
Inzwischen schwimmt das musikalische Schlachtschiff wieder.
Seit Mai 2017 ist ein neuer Skipper am Ruder. Um das Festival wieder auf Kurs zu bringen, holten der Florentiner Bürgermeister und das Kultusministerium den Venezianer Cristiano Chiarot in die Stadt. Hinter der bulligen, kleinen Gestalt des Mittsechzigers verbirgt sich ein Universalgelehrter: Bibliophil ist der neue Intendant, ein Fachmann für Archive. Aber auch – das bewies er schon an La Fenice – ein Mann mit Händchen für technologische Erneuerung: «Als lebendiges Wesen muss Theater auf der Höhe der Zeit bleiben. Neben Radio- und TV-Mitschnitten senden wir deshalb auch Livestreams in einer Facebook-Loge namens #neverlandOF. Wobei die virtuelle ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Carlo Vitali
Aki Kaurismäkis Kultfilm «Das Leben der Bohème» hat offenbar einen Paradigmenwechsel in der Opernregie eingeleitet. Heute wird Puccinis Adaption des Romans von Henri Murger jedenfalls vorwiegend in modernen Kostümen gespielt. Sängerische Schwergewichte wie Luciano Pavarotti und Montserrat Caballé in historischem Outfit würden wohl kaum noch Furore machen....
Die Wiederentdeckung der Grand Opéra und ihres wichtigsten Vertreters Giacomo Meyerbeer auf der Opernbühne geht voran. Da konnte es nicht ausbleiben, dass mit Gaspare Spontini auch einer seiner Wegbereiter in den Fokus des Interesses gerät. Der gebürtige Italiener und naturalisierte Franzose war, als Hofkomponist Napoleons und langjähriger Berliner...
Im Handbuch «Komponieren für Stimme» zitiert Arne Stollberg in seinem Aufsatz «Exzesse des Schwelgens» einen Essay Paul Bekkers: «Klang und Eros». Er spricht darin von dem eigentümlichen Zauber, der von einer aus der Ferne erklingenden Frauenstimme ausgehe – vom musikalischen Eros, den kein Instrument zu imitieren vermöge. Diese Erfahrung machte ich (wenn die...
