Apropos... Extreme
Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich habe in dieser Produktion das Gefühl, dass alles, was ich jemals gelernt habe, nützlich war: für die Gestaltung der Sprache, für das Musiktheaterkunstwerk als Ganzes.
Der Text von Goetz ist genial, Jannik Giger, Leo Hofmann und der Regisseur Benjamin von Bebber haben sich so viel Gutes dafür ausgedacht – ein absoluter Glücksfall, dass ich da mitmachen konnte.
Muss gutes Musiktheater extrem sein?
«Extrem» ist kein Maßstab für Qualität. Ich persönlich finde ein Musiktheater gelungen, wenn die Musik sich in dem jeweiligen Werk nicht hermetisch mit sich selbst beschäftigt, sondern den Text «verdaut», ihn inhaltlich, formal, strukturell nutzt – ohne hinter ihm zu verschwinden oder ihn zu überkleistern. Musik, Wort und Szene sind in «Kolik» gleichermaßen präsent und toll getaktet – sie stiften gemeinsam Zusammenhänge, ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Hannah Schmidt
Da steckt Musik drin!, dachte sich Ottorino Respighi schon bei der ersten Lektüre von Gerhart Hauptmanns symbolistischem Märchendrama «Die versunkene Glocke» (1896). Anderen war das schon vorher aufgefallen. Die Vertonung von Heinrich Zöllner (1899) hatte indes nur kurz Erfolg, und Maurice Ravel brachte ein Opernprojekt, mit dem er Debussys «Pelléas» Konkurrenz...
Die 1823 in Venedig uraufgeführte «Semiramide» ist die letzte, größte und – mit fast vier Stunden Spieldauer – längste Oper, die Rossini für Italien schrieb. Das verworrene Sujet um die babylonische Königin Semiramis, die mit Hilfe ihres Geliebten Assur ihren Gatten Nino getötet hat und an seiner Stelle regiert, bevor schließlich ihr Sohn Arsace den Vater rächt,...
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle»...
