Angekommen
Vollkommen unbekannt sind Mozarts Konzertarien für Tenor nicht, die Rolando Villazón auf seinem neuen Album singt. Doch noch immer gehören sie zum Randrepertoire, dem man nur selten auf Konzertpodien oder auf Tonträgern begegnet. Villazóns begeisterter Einsatz für diese Musik hat das Potenzial, an dieser Situation zumindest zeitweise etwas zu ändern, denn so, wie er diese Arien singt, entfalten sie ihren musikalischen Reichtum auf überzeugende Weise.
Schon die im letzten Jahr erschienene CD mit Verdi-Arien zeigte den Tenor auf einem Weg, der die offenkundig gewordene Stimmkrise wenn nicht vergessen, so doch in den Hintergrund rücken ließ. Villazóns Entscheidung, sein Repertoire umzustellen und sich eher lyrischen Partien zuzuwenden, scheint sich zu bewähren. Zu hören ist nicht ein Sänger, der sich mit den Resten seiner Stimme in ein Repertoire rettet, in dem er noch überleben kann, sondern einer, der dort angekommen scheint, wo er eigentlich hingehört. Die Energie, die Villazón seit je auszeichnet, sich einige Jahre lang aber zum Überdruck entwickelte, ist ihm geblieben, doch weiß er sie jetzt genauer einzusetzen. Nur in wenigen Momenten droht er sich allzu sehr dem ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf
Dass der bärtige Sarastro in dieser Produktion von Mozarts «Zauberflöte» den Betrachter an Gustav Klimt erinnert, war von Regisseur András Almási-Tóth (der im Übrigen mit einer sehr individuellen Fassung dieser Oper, mit zahlreichen überraschenden Umstellungen, aufwartete) vielleicht nicht beabsichtigt, ist aber doch kein Zufall. Denn zum einen geriert der...
Unter der Leitung von Cathérine Miville hat sich das Stadttheater Gießen zu einer erstaunlichen und programmatisch gewitzten Bühne entwickelt. Die musiktheatralischen Ausgrabungen erfreuen nicht nur Profis, sondern wecken auch breiteres Publikumsinteresse in der Universitätsstadt und ihrem Umland. Und dem philologischen Eifer entspricht eine bemerkenswerte...
Der erste Eindruck: Da hat einer ganz genau hingeschaut. Aus nächster Nähe. An jedem Augenaufschlag, jedem Tonfall, jedem Fingerzeig gefeilt, bis nichts mehr zu sehen war von der Anstrengung, der Konzentration, ohne die es keine Wahrhaftigkeit gibt im Spiel auf der Bühne. Und: Da hat einer ganz genau hingehört. Sich tief in die Noten versenkt. In das Farbflimmern,...
