Angefochtene Geister
«Alceste»
Einfachheit, Natürlichkeit und Wahrheit waren die Prinzipien, die Gluck der Gesangsakrobatik und Intrigendramaturgie der barocken Opera Seria entgegenstellte. Diese aus dem Geist der aufklärerischen Ästhetik neu belebte Utopie einer Wiederherstellung der antiken Tragödie hat er in keiner seiner Wiener Reformopern konsequenter verfolgt als in der 1767 uraufgeführten «Alceste». Gluck hat das Werk 1776 für Paris grundlegend überarbeitet.
Die Wiener Version ist insgesamt herber, straffer in der ausschließlich auf das innere Drama der Titelfigur konzentrierten Handlungsführung und musikalisch vom Geist eines strengen Klassizismus erfüllt. Es war darum eine glückliche Entscheidung von Johan Simons, die so gut wie nie gespielte italienische und nicht die bekannte französische «Alceste» auf der Ruhrtriennale zu zeigen.
Musikalisch ist das Plädoyer für das düstere Werk, das nur einen einzigen Affekt kennt – die Zerrissenheit Alcestes, die für Admet freiwillig in den Tod geht –, überzeugend ausgefallen. Garant dafür war neben dem Dirigenten René Jacobs das belgische B’Rock Orchestra sowie der Chor von MusicAeterna aus dem russischen Perm. Jacobs machte die wortgebundene, ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Uwe Schweikert, Michael Struck-Schloen, Albrecht Thiemann & Egbert Tholl
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