Am Gängelband
Im vergangenen Jahr war bei den Salzburger Festspielen Gottfried von Einems Oper «Der Prozess» wiederzuhören, ein textlastiges Stück, bei dem die Gesangsstimmen als Dauerrezitativ im Korsett eines symphonisch geführten Orchesters hängen.
Wenn nun auf der anderen Salzachseite im Landestheater die englischsprachige Version desselben Stoffs in der Vertonung von Philip Glass auf dem Programm steht, dann ist manches anders: Bei «The Trial» nach Franz Kafkas Roman sitzen nur zwölf Musiker (des Mozarteumorchesters unter Robin Davis) im Graben, auf der Bühne teilen sich acht Sänger ökonomischer als bei Von Einem die vielen Rollen. Und doch ist beiden Stücken das Schicksal der Literaturoper gemein: Dem Zuschauer droht unweigerlich der Nackenkrampf, wenn er die durchrauschenden Übersetzungen der Dialoge mitliest, die Christopher Hampton aus dem Roman ausgeschnitten hat. Nur selten löst sich sein Libretto von Kafkas Original, wenn etwa der unvermutet verhaftete Josef K. darauf besteht, dass man doch in einer Demokratie lebe, in einem Rechtsstaat, in Friedenszeiten, wo so etwas sicher nicht vorkomme.
Es kann, zeigt auch Carl Philip von Maldeghem, der inszenierende Intendant des ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Michael Stallknecht
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JUBILARE
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