Alles unter Kontrolle
Beethovens einzige Oper ist eine der revolutionären Manifestationen des Musiktheaters und zugleich eins seiner größten Sorgenkinder. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben «Fidelio» jetzt in Stuttgart inszeniert – mit jener akribischen Versenkung in das Werk und seine Überlieferung, wie sie für die beiden selbstverständlich ist.
In ihrer gemeinsam mit dem Bühnenbildner Bert Neumann entwickelten Konzeption opponieren sie mit aller Macht gegen die Vorurteile, die seit Langem die «Fidelio»-Rezeption bestimmen – das Unbehagen an den gesprochenen Dialogen und an der angeblich theaterfremden oratorischen Dramaturgie, was für die Herkunft des Stücks aus der Tradition des deutschen Singspiels wie der französischen Rettungsoper aber charakteristisch ist. Dennoch wird man trotz bester Voraussetzungen über die Aufführung nicht recht glücklich, und es ist schwer zu sagen, warum.
Der vor Kurzem verstorbene Neumann, dessen letzte Arbeit dies ist – seine früheren Stuttgarter Bühnenbilder werden im Foyer in einer Video-Installation gezeigt –, erweist sich auch hier als kühler Analytiker. Seine Szene ist ein hoher, gleißend heller, mit Planen abgedeckter, in der Kerkerszene dann nachtdunkler Raum. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Die Offenbach-Produktion, mit der Simone Young im Herbst 2014 ihre letzte Hamburger Spielzeit eröffnete, war ein großer Publikumserfolg (siehe OW 12/2014). Die Veröffentlichung auf DVD ist eine willkommene Alternative bzw. Ergänzung zu der Pariser Produktion (2000) unter Marc Minkowski und Laurent Pelly (Arthaus). Das französische Duo Renaud Doucet (Regie und...
Die Piazza Vittorio liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs, im größten multiethnischen Viertel Roms. Vor allem für ihren großen Markt ist sie bekannt, wo man Lebensmittel und Gewürze aus aller Welt bekommt. Seit 2002 trägt auch ein Orchester ihren Namen. Die Mitglieder stammen aus zehn verschiedenen Ländern, sprechen neun verschiedene Muttersprachen. Ihre...
Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise...
