Facetten des Wartens
Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise versuchen, Klassizismus und zeitgemäße, zeitgenössische Musiksprache zu verbinden.
Fauré, ein Liedspezialist, hält das Grundgepräge sogar noch lyrischer als Dukas, er drosselt orchestrale Ausbrüche, setzt auf sublime Farben, kennt sich aus bei fein gegliederter, syntaktisch flexibler Kantabilität. Bei Debussys «Pelléas et Mélisande» fand er die Behandlung der Singstimmen zu spröde und hat seine Konsequenzen daraus gezogen, ebenso aus dem symphonisch-reißerischen Überdruck der «Salome» und den abschattierten Klangmischungen des «Parsifal».
«Pénélope» wird selten gespielt. In Deutschland kam sie erst 2002 als Eigenproduktion auf die Bühne: in Chemnitz, immerhin 90 Jahre nach ihrer Entstehung (siehe OW 6/2002). Im Mittelpunkt steht, das ist entscheidend, nicht die Titelfigur als Individuum, sondern ihr Warten auf Ulysses. Dieses ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch
The Story of Semele», das 1744 uraufgeführte Oratorium Händels, hat seit 1925 den Weg auf die Opernbühne gefunden, und neuerdings wird es mindestens einmal jährlich neu inszeniert. Nicht einmal Spezialisten wussten aber von einer merkwürdigen Aufführung im Schiller-Jahr 1905. Christiane Wiesenfeldt rekonstruiert im neuesten Band der «Göttinger Händel-Beiträge» eine...
Simon Boccanegra» gehört, wie «Macbeth» und «Don Carlos», zu den experimentellen Opern Verdis und hat wie diese erst nach einer gründlichen Überarbeitung seine endgültige Gestalt gefunden. Das Werk enthält keine eingängigen, populären Melodien, zudem erschwert eine krause Handlung die Rezeption. Abramo Basevi, Autor der ersten Verdi-Monografie, will das...
In den 50er- und 60er-Jahren war Elisabeth Schwarzkopf die «andere Primadonna». Doch nach ihrem Abschied von der Bühne 1972 in Brüssel (als Marschallin) und vom Podium 1979 in Zürich blieb ihr Nachruhm gloriolenfrei. Nur gelegentlich wurden ihre Aufnahmen wieder aufgelegt, selten tauchte ihre Stimme (wie die der Callas) als Gefühlsverstärker in Filmen oder in der...
