Alles nur Bluff

Ligeti: Le Grand Macabre
Dresden | Semperoper

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Menschen in blutgetränkten Shirts liegen reglos auf den Stufen vor dem Haupteingang der Semperoper. Zögerlich bahnen sich die Premierengäste ihren Weg zwischen den Körpern, gehen unter dem Banner «Heute: Weltuntergang» hinein. Das drohende Inferno inszeniert Calixto Bieito in Dresden mit
György Ligetis «Le Grand Macabre». Seine «Anti-Anti-Oper» greift auf Opernkonventionen zurück, führt sie aber gleichzeitig ad absurdum.

Statt mit einer Ouvertüre beginnt das Werk mit einem Konzertstückchen für 12 Autohupen – sehr ausdrucksvoll und mit viel Verve getutet von drei Schlagzeugern der Staatskapelle. Es ist ein großer Schabernack.

Nekrotzar, der Makabre, macht sich mit Saufkumpan Piet vom Fass auf den Weg, um das Ende der Welt offiziell beim Prinzen zu verkünden. Schrullige Bewohner säumen ihre Tour. Ein Komet soll das Bruegelland zerstören, und somit alles, worum es sich hier dreht: Macht, Hunger, Sex. Für Bieito ein gefundenes Fressen. Nekrotzar als vulgärer, ungepflegter Unsympath im Bademantel und mit Fleck im Schritt, nimmt sich denn auch jede Frau, die er kriegen kann. Mehr als zwei werden es allerdings nicht. Amando und Amanda stecken zum Liebemachen auf Unterleibshöhe ...

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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Nora Sophie Kienast

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