Akustische Bühne
Dass Orffs Version von Sophokles’ Trauerspiel «Oedipus» in der Übersetzung Friedrich Hölderlins einen spannenden Theaterabend trägt, hat eindrucksvoll John Dews Darmstädter Inszenierung bewiesen, die inzwischen auch auf DVD vorliegt (siehe OW 1/2007 bzw. 12/2011).
Die asketische Reduktion des Werks, dem man bei seiner Stuttgarter Uraufführung 1959 Mangel an musikalischer Substanz vorwarf, kann auch beim bloßen Hören fesseln – das ist die überraschende Erfahrung einer 1961 vom NDR unter der Leitung des kurz danach verstorbenen Winfried Zillig aufgenommenen Funkproduktion, die jetzt – wohl hauptsächlich dank der Mitwirkung von Martha Mödl – erstmals auf CD vorliegt. Dabei ist Mödl die Einzige, die mit überzogen theatralischem Pathos aus der verinnerlichten Konzentration des Spiels auf das Wort ausbricht. Zillig und die übrigen Mitwirkenden – allen voran Helmut Melchert in der Titelrolle – orientieren sich weniger an der Oper als an der akustischen Bühne des Hörspiels. Allein schon der starke Anteil des gesprochenen und nicht durch Rhythmus und Klang überhöhten Worts in Orffs Einrichtung rechtfertigt dies Vorgehen, das zu einer Differenzierung der Artikulation gerade auch in den ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
«Learning from Las Vegas» heißt das Buch, mit dem der amerikanische Architekt Robert Venturi 1972 den Wertekanon der klassischen Moderne angriff. Schon der Titel war eine Provokation. Er verhieß eine Feier der bunten Oberfläche, des fluoreszierenden Ornaments, der neonflammenden Fassade. Er richtete sich vor allem gegen die Bauhaus-Kultur, die (von deutschen...
Ein schlichter Mönch, der Chronikschreiber Pimen, hat das Wissen um die Katastrophen Russlands in der Hand, wie sie in Mussorgskys gewaltigem «Boris Godunow» aufscheinen: «Es zieht Vergangenheit an mir vorüber – bewegt, so wie ein Meer, ein Ozean...» Mussorgsky, der Historiker unter den Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, verwandelt das wirre Panorama seines...
Bevor die Todesmusik des Vorspiels einsetzt – mit den geteilten ersten und zweiten Violinen –, ist Violetta in Johannes Eraths Inszenierung von Verdis «La traviata» bereits gestorben. Für die Trauermusik sorgt, ganz zart, ein Totengräber mit einem Akkordeon, während ein junger Mann die mit welken Blättern überdeckte Leiche aus dem Bühnenboden zieht und verzweifelt...
