Wendungen, Windungen

Verdi: La traviata Hamburg / Staatsoper

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Bevor die Todesmusik des Vorspiels einsetzt – mit den geteilten ersten und zweiten Violinen –, ist Violetta in Johannes Eraths Inszenierung von Verdis «La traviata» bereits gestorben. Für die Trauermusik sorgt, ganz zart, ein Totengräber mit einem Akkordeon, während ein junger Mann die mit welken Blättern überdeckte Leiche aus dem Bühnenboden zieht und verzweifelt umarmt.

Er gehört zu einer Truppe von Artisten/Schaustellern/toten Seelen, die auf der von Annette Kurz eingerichteten Bühne umhergeistern: einer Kirmes mit Kettenkarussel, an dem Autoscooter aufgehängt sind – ein locus terribilis für den Tanz über dem Abgrund, mit dem der erste Akt beginnt, einer Kontrafaktur zum gewohnten Fest. Die Welt der Demi-monde verwandelt sich in einen schäbigen Rummelplatz, wo nicht Champagner getrunken wird, sondern Abschaumwein.

Am Ende wird Alfredo nicht in einem Sterbezimmer, sondern auf offen-leerer Bühne die tote Violetta wieder an sich ziehen, während die moribunde Violetta auf sein «Parigi, o cara» antwortet – eine doppelte Optik nach Brecht’scher Manier, die die Kontinuität der Handlung ebenso durchbricht wie die Erwartung der Zuschauer. Die müssen nach der Aufführung wohl die ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Jürgen Kesting

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