Abgrund Mensch
Über dieser Premiere hingen dunkle Wolken. Intendant Albrecht Puhlmann und der ursprünglich vorgesehene Regisseur David Alden hatten sich bei Probenbeginn so zerstritten, dass Alden das Stück zurückgab. Puhlmann gelang es, Calixto Bieito zu gewinnen, der «Jenufa» noch nie inszeniert hatte, mehr oder weniger die Bühnenbild- und Kostümentwürfe seines Vorgängers übernehmen musste und dem für dieses Himmelfahrtskommando ganze drei Probenwochen blieben, um ein in aller Eile gefundenes Konzept durchzuziehen.
Es spricht für Bieitos handwerkliche Professionalität, aber auch für seine künstlerische Motivationsfähigkeit, dass aus der Notlösung ein über weite Strecken überzeugender, ja faszinierender Theaterabend wurde.
Die von Susanne Gschwender überarbeitete Bühne Gideon Daveys verlegte die im bäuerlichen Milieu spielende Handlung in einen mährischen Textilbetrieb, in dem die Rückständigkeit des Postkommunismus und die Segnungen des Turbokapitalismus krass aufeinanderstoßen. Das machte mit der schäbigen Industrieruine, in der die ersten beiden Akte situiert waren, durchaus Sinn. Es führte im dritten Akt mit den in der neuen Textilmanufaktur steril vor ihre Nähmaschinen platzierten ...
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Das Ende ist Stille. Nur von einem ätherischen Geigenschimmer getragen entschwebt die Seele der getauften Muslimin Clorinda in Claudio Monteverdis «Combattimento» gen Himmel. Die Musik löst sich in nichts auf, gesteht ein, dass ihre Mittel hier am Ende sind, dass alle tönende Pracht der voraufgegangenen «Marienvesper» nicht über die Endlichkeit des Daseins...
Mal wandert ein Lichtstreif von links nach rechts; mal treibt ein schwarzer Strich die Figuren auf der hellen Bühne vor sich her; mal trennt er die, die zusammen wollen. Das Licht ist an diesem Abend eine eigenständige dramatis persona. Die Menschen bewegen sich im Tempo der Musik, also in slow motion, sind in ihren Gängen und Gesten strikt aufeinander bezogen....
Trotz des aufgebotenen Riesenorchesters ist die «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss ein psychologisches Kammerspiel, dessen feine Nuancen nach dem aufmerksamen Kamera-Auge verlangen. Vier beinahe zeitgleich veröffentlichte DVD-Mitschnitte von Produktionen aus einem Vierteljahrhundert ziehen unsere Aufmerksamkeit auf dramatische und darstellerische Details, die...
