Zauberwelt der leisen Gesten
Mal wandert ein Lichtstreif von links nach rechts; mal treibt ein schwarzer Strich die Figuren auf der hellen Bühne vor sich her; mal trennt er die, die zusammen wollen. Das Licht ist an diesem Abend eine eigenständige dramatis persona. Die Menschen bewegen sich im Tempo der Musik, also in slow motion, sind in ihren Gängen und Gesten strikt aufeinander bezogen.
Dass ihre Aktionen trotz der Stilisierung lebensnah bleiben und genau jene verbalen Äußerungen provozieren, die im Libretto folgen, macht neben der streng durchgeformten Lichtregie die Stärke der «Pelléas»-Inszenierung von Sandra Leupold aus.
Jede Szene ist in statische oder mobile Licht- und Dunkelzonen geteilt. Die Grottenbilder etwa spielen in totaler Finsternis. Die Menschen sind blind. Sie sehen nicht, welche Gefahren im Dunkeln auf sie lauern. Das macht ihnen Angst. Golaud aber will den Durchblick. Armand Arapian nutzt die Möglichkeiten, die ihm das meist piano musizierende Philharmonische Staatsorchester Mainz lässt, zu einem meisterlich durchgearbeiteten Rollenporträt. Er zerrt Mélisande aus dem schützenden Dunkel ihrer Geschichte ins grelle Licht von Allemonde. Pelléas (baritonal timbriert, aber kraftlos: Richard ...
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