Abgehakt
Es brennt nicht, zumindest nicht auf der Bühne. Dafür flackert es rotgelb auf den Screens der Smartphones, die Hagens Mannen mahnend erheben. Brünnhilde kümmert das nicht, sie hat zu tun, am Schreibtisch sitzend, mit den Rheintöchtern. «Selig grüßt dich dein Weib», dann wird getwittert. Gutmenschen-Sätze über den Zustand und Verfall der Welt, kommentiert von anderen lustigen Nickname-Besitzern. Live sei dies alles, versichern die Verantwortlichen des Staatstheaters Nürnberg, und gedacht als Heimholung des «Rings» in die – angeblich – heilsbringende soziale Medienwelt.
So viel Computer war mutmaßlich noch nie im Finale der «Götterdämmerung», das sich hier (dies wiederum gab es schon oft) als Konterkarierung von Pathos versteht, dabei aber mit all seinen Netzspielereien ein Problem bekommt: Es driftet in die Belanglosigkeit.
Regisseur Georg Schmiedleitner hat mit Stefan Brandtmayr (Bühne) und Alfred Mayerhofer (Kostüme) viel in seinen Nürnberger «Ring» gepackt. Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung, Kapitalismus- und Medienkritik, alles Topoi, die sich gewiss aus Wagners Großwerk ableiten lassen und einen langen Abend kurzweilig machen, die aber beim bemühten Herunterbrechen ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel
Etwas könnte dem Team des Gärtnerplatztheaters schon passieren. Nach Beendigung des Exils, nach all dem Vagabundieren durch die Münchner Ausweichspielstätten, nach dem Wiederbezug des renovierten Stammhauses (wohl im Herbst 2016), könnte sich all das Adrenalin plötzlich verflüchtigen. Jenes Stresshormon, das derzeit für einen Kreativschub nach dem anderen sorgt....
André Campras «Tancrède», 1702 an der Pariser Oper uraufgeführt und für einige Jahrzehnte ein Erfolgsstück, stellt aus heutiger Sicht ein Bindeglied zwischen den Opern Lullys und Rameaus dar. Der rezitativische Deklamationsstil der noch jungen französischen Oper verbindet sich hier mit dem Melodienreichtum der Italiener. Das Libretto greift eine Episode aus Tassos...
Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise...
