Abgegriffen
Die Vorgeschichte dieses Abends liegt neun Jahre zurück. Im Mai 2009 hatte am Aalto-Theater in Essen Richard Wagners «Walküre» Premiere – Dietrich W. Hilsdorfs zweite Wagner-Regie. Teil eines von vier Regisseuren übernommenen «Ring des Nibelungen». Das schmeckte natürlich nach einem Wiederaufguss des «Stuttgarter Modells» von 2002/03, der in Essen (mit Ausnahme von Tilman Knabes bitterbösem «Rheingold») leider nicht annähernd die Originalität und darstellerische Grandezza des Vorbilds erreichte.
Für den neuen «Ring» an der Deutschen Oper am Rhein kehrte man denn auch zum Ein-Mann-Regietheater zurück und engagierte Hilsdorf als Spielmacher – einen Mann, der seit Jahrzehnten an Rhein und Ruhr inszeniert und einmal zu den Protagonisten eines sozialkritisch-provokanten, schauspielerisch durchgefeilten Musiktheaters gehörte.
Dem eher spielerischen «Rheingold»-Vorabend, von dem ein Varietéportal mit bunten Glühbirnchen als sentimentale Erinnerung übrigblieb, folgte jetzt das nachtschwarze Untergangs-Panorama der «Walküre» – im Großen ein Déjà-vu der Essener Version, die Hilsdorf aber zusammen mit seinen vertrauten Mitarbeitern Dieter Richter (Bühne) und Renate Schmitzer (Kostüme) in ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Michael Struck-Schloen
In Tommaso Traettas 1772 in Sankt Petersburg uraufgeführter tragedia per musica «Antigona» bringt der Librettist Marco Coltellini all das auf die Bühne, was in Sophokles’ Drama nur berichtet wird: den Tod der beiden um die Herrschaft in Theben streitenden Zwillingsbrüder Eteokles und Polynikes im Zweikampf; die von Kreon verbotene Bestattung des Aufrührers...
Vierzig Jahre? Eigentlich kein Alter. Und wenn, dann das beste, wie es so schön heißt. Lebt man allerdings in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit die härteste Währung ist und der kulturelle Kapitalismus das (scheinbar) Attraktive bevorzugt, muss man sich schon strecken, schminken, mindestens Schauder erregen. Oder man leistet, im umkämpften urbanen Raum, etwas...
Erst allmählich wird die Bühne zum Ort, gibt die Weite der Natur das gesellschaftlich Festumrissene frei. Die Freiburger Szene zu Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» stammt von Alfred Peter und sagt mehr als tausend Worte. Wie aus der Tiefe des Raumes herangezoomt, mit der Lupe betrachtet: zwei Zimmer wie Puppenstuben, Gefängnisse überwiegend bigotter Tradition – Enge,...
