Zustände ihres Willens
Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in den synaptischen Spalt vor den Worten des Gefangenen- und Volks-Chores «Heil sei dem Tag, heil sei der Stunde» hineinfließen zu lassen, keine Folge geleistet wird. Allein, so geschieht es.
Herbert Blomstedt, der achtzehnte Gewandhauskapellmeister in der bewegten Geschichte dieses Orchesters, verzichtet bei seinem sehr späten und deswegen mit großer Spannung erwarteten Leipziger Einstand als Operndirigent auf die aparte musikalische Final-Volte. Aber er tut es nicht, ohne die Weglassung zu begründen: «Die Leonoren-Ouvertüren – besonders die zweite und die dritte – sind großartige Stücke», schreibt er im Programmbuch zur Aufführung, «aber sie gehören zu früheren Fassungen. Und verschiedene Fassungen sollte man nicht mischen.»
So bleibt es bei der einen klassischen Ouvertüre zu Beginn, jener «Fidelio»-Ouvertüre, die zwar ...
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Von Mozarts «großen» Opern ist «Idomeneo» sicherlich die am schwersten zu realisierende. Eine dem Theater Augsburg vergleichbare Bühne, das Münchner Gärtnerplatztheater, setzte vor Jahresfrist mit großem Erfolg auf japanische Abstraktion in Bühnenbild, Kostümen und Gestik (Claudia Doderer). In Augsburg nun wollte Thomas Mittmann – der bereits hervorragende...
Wer kennt sie nicht, die Barcarole aus Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen»? Eigentlich entstammt sie der Ouvertüre der siebzehn Jahre zuvor entstandenen, für Wien komponierten, dort auch erfolgreich uraufgeführten Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas irreführend «Die Rheinnixen» heißt. Denn um Nixen im Sinne von Undinen geht es in dem...
Herr Domingo, Sie nehmen in diesen Wochen unter der Leitung von Antonio Pappano den kompletten «Tristan» auf – nach über vierzig Bühnenjahren und fast neunzig Opern-Gesamtaufnahmen. Was treibt einen Sänger, der es sich mit Konzerten und Galas viel leichter machen könnte, zur schwierigsten Partie des gesamten Tenorfachs?
Eben die besondere Herausforderung. Und die...
