Arbeit an Verdi
Verdi, der «Shakespeare der Opernbühne», sei «der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist», hat Sergio Morabito 2013 in einer Umfrage geäußert. Er sei «der Meister der Verdichtung (im Sinne des Weglassen-Könnens) und der Zuspitzung (damit zusammenhängend: ein Genie der Rücksichtslosigkeit seinen Interpreten gegenüber)». Seine Musik bringe «alles – Emotionen, Charaktere, Situationen, Geschichte und Geschichten – auf die knappste, schlagendste, berührendste, humanste Formel».
Verdi selbst hat in einem oft zitierten Brief gesagt, das Wahre bzw.
das Wirkliche zu erfinden – das italienische Wort «il vero» umfasst beides – sei besser, als es nur zu kopieren. Während Wagners epischer Mythenzauber jede Aktualisierung erlaubt, wenn sie nur in sich stimmig ist, zwingt Verdis Realismus dazu, die Brüche in den Geschichten wie die Widersprüche in den Figuren zu zeigen, also Psychologie wie Politik gleichermaßen zu akzentuieren und überdies die ästhetische Verfremdung der dargestellten Vorgänge nicht zu unterschlagen. Eine schwer einlösbare Herausforderung, wie Aufführungen der letzten fünf Verdi-Opern binnen Monatsfrist demonstrierten.
Ganz nah dran
La forza del destino
Sebastian ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Fous, Seite 14
von Uwe Schweikert
Rechts steckt die Dame vom Sicherheitsdienst ihre Nase in den Rucksack eines Studenten. Ein Riesenriechorgan aus Latex. Und links an der Saaltür blitzen von der Schulter des Programmverkäufers goldene Epauletten: Das Einlasspersonal, das die schnatternden Massen durch das baubedingt unübersichtliche Foyer schleust, stimmt schon mal auf Schostakowitschs «Nase» ein.
...
Am Ende bleibt der übrig, den man sonst gern übersieht: In Tatjana Gürbacas furioser Antwerpener Neudeutung des «Holländer»-Stoffes rappelt sich nach dem irrwitzigen finalen Höllentrubel im zuckenden Stroboskop-Licht nur Erik wieder auf, um stolpernd und schwankend dem Schlachtfeld zu entkommen, auf das alle anderen wie entseelt niedergesunken sind. Gelingt...
Das größte Kompliment, das Mozart je einer Sängerin machte, galt der von ihm nicht nur als Gesangskünstlerin angehimmelten jungen Aloysia Weber: Sie habe die für sie komponierte Konzertarie «Non sò d’onde viene» KV 294 mit genau jenem Geschmack (gusto), jener Methode (metodo) und jenem Ausdruck (espressione) gesungen, die er sich gewünscht habe. Von Gesangstechnik...
