Missbrauchte Kindheit
Der 1986 erschienene Roman «Das große Heft» der französisch schreibenden Exil-Ungarin Ágota Kristóf gehört, gerade weil er sich in seiner lakonisch-nüchternen Schreibweise nicht um das Innenleben der Figuren kümmert, zu den beklemmendsten Texten, die je über den Krieg geschrieben wurden. Er handelt von neunjährigen Zwillingsbrüdern, die bei Kriegsausbruch zu ihrer von den Dorfbewohnern als Hexe verschrienen Großmutter gebracht werden. Um zu überleben, müssen sie sich abhärten und so roh und mitleidlos wie ihre Umwelt werden. Was sie dabei erleben, tragen sie in ein Heft ein.
Als einzige Regel gilt: «Der Aufsatz muss wahr sein.» Der in Mannheim als Kompositionsprofessor lehrende Amerikaner Sidney Corbett hat aus der Vorlage, mit librettistischer Unterstützung des Osnabrücker Intendanten Ralf Waldschmidt, einen epischen Bilderbogen von 23 Szenen gezogen, der sich konsequent an die Protokolle der Kinder hält.
Dabei bewahrt Corbetts Version sowohl in der Dramaturgie wie in der Musik streng den Geist der Vorlage. Auch Corbett stellt die Figuren – allein schon dadurch, dass die beiden namenlosen Zwillinge immer mit gleichsam einer Stimme singen – geradezu holzschnittartig auf die Szene ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Uwe Schweikert
Mit neunzehn hat man noch Träume. Der Student Ruggero Leoncavallo, der bei Giosuè Carducci in Bologna Vorlesungen über die italienische Renaissance hörte und fast zeitgleich dem verehrten Richard Wagner in der Oper begegnete, träumte von einer nationalen Trilogie mit dem programmatischen Titel «Crepusculum» nach dem Vorbild des «Ring des Nibelungen». Ein Jahrzehnt...
Meldungen
Die Bayerische Staatsbibliothek erinnert mit der Ausstellung «Richard Wagner – Die Münchner Zeit (1864-1865)» an die in München verbrachten Jahre des Komponisten, in deren Mittelpunkt die Uraufführung von «Tristan und Isolde» am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater stand, anhand der in der Bayerischen Staatsbibliothek überlieferten...
Das Anhaltische Theater Dessau bringt zwischen 2012 und 2015 Wagners «Ring» heraus – originellerweise rückwärts, also in der Reihenfolge der Entstehung der Libretti (nicht aber der Partituren!) von «Siegfrieds Tod/Götterdämmerung» bis «Rheingold». Ob das wirklich eine glückliche Entscheidung war, ließ sich am «zweiten» Abend bezweifeln. Erst von André Bückers...
