Second Life

Wagner: «Siegfried», Dessau / Anhaltisches Theater

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Das Anhaltische Theater Dessau bringt zwischen 2012 und 2015 Wagners «Ring» heraus – originellerweise rückwärts, also in der Reihenfolge der Entstehung der Libretti (nicht aber der Partituren!) von «Siegfrieds Tod/Götterdämmerung» bis «Rheingold». Ob das wirklich eine glückliche Entscheidung war, ließ sich am «zweiten» Abend bezweifeln. Erst von André Bückers «Siegfried»-Konzeption aus versteht man, was die Roboter-Bewegungen der «Götterdämmerung» sollen.

Der erste Akt zeigt mit Siegfried und Mime zwei couch potatoes, die sich aus ihrer völlig vermüllten Messie-Bude per Computerspiel in eine Fantasiewelt träumen. Wotans Quizrunde, wo Mime sich wichtigtut, statt die entscheidende Frage zu stellen, wie das «Highscore Sword» zu reparieren sei, findet zwischen Döner und Pizza-Kartons in Günther Jauchs Paralleluniversum statt. Zu den Kollateralschäden der Konzeption gehört, dass Siegfrieds Schmiedelieder nicht zu dem Gehacke auf seinem neuen Cyber Game passen.

Die Kostüme Wotans, Fafners, des Waldvogels und Erdas zitieren dagegen Figurinen der Dessauer Bauhausbühne (nicht, wie oft zu lesen, des Weimarer «Triadischen Balletts»). Sie huldigen wie der an die Kaaba erinnernde, bauhausbunt ...

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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Boris Kehrmann

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