Schatten der Vergangenheit
Manchmal braucht es eben den Impuls der Obrigkeit. Auch in künstlerischen Dingen. Die Uraufführung von Giovanni Pacinis «Alessandro nell’Indie» am 29. September 1824 in Neapel war ein fades Ereignis, jenseits von Reinfall und Glücksfall. Erst als König Ferdinand IV. bei der zweiten Aufführung den Applaus vorgab, entschied sich der Erfolg dieses Werkes. Noch in derselben Saison wurde das Stück 36 weitere Male an San Carlo gespielt – zum Vergleich: «Lucia» brachte es auf 22 Aufführungen, «Roberto Devereux» auf 19. Heute haben sich die Verhältnisse bekanntlich verschoben.
Das Libretto zu diesem frei bearbeiteten Stoff um die historisch auf das Jahr 326 v. Chr. datierte Schlacht am Hydaspes zwischen Alexander dem Großen und dem indischen König Poros basiert auf einer Vorlage von Metastasio. Es ist dies die bereits dritte Gesamtproduktion einer Pacini-Oper – nach «Maria Regina d’Inghilterra» und «Carlo di Borgogna» – und mehreren Aufnahmen mit Einzelszenen, die nun bei Opera Rara vorliegt. Produziert wurde im Mehrkanalton-System. Die räumliche Klangqualität ist insgesamt überzeugend. Dass die hinteren Surround-Boxen und der Subwoofer, verglichen mit ähnlichen Aufnahmen, eine nur ...
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Zu Beginn eine persönliche Erinnerung. Es ist eine an den schönsten Bordellbesuch: eine Aufführung des «Rosenkavalier» in Wien anno 1961, mit Marianne Schech als Marschallin, Hilde Güden als Sophie und Christa Ludwig als Octavian. Noch heute spüre ich die erotischen Wonnen, die aus den ersten Phrasen des Octavian klangen: «Wie du warst.» Der Vergleich mit dem...
Nein, Claus Guths Salzburger Inszenierung von Mozarts «Figaro» habe er nicht gesehen, beteuert Paul-Emile Fourny. Und damit natürlich auch nicht jenen Cherubin, der bei Guth schweigend durch den Salon des Almaviva’schen Herrenhauses geistert. Die drei Engel, die der Intendant der Opéra de Nice nun für eine neue «Tosca» aufbietet, habe Ausstatter Louis Désiré ins...
Die Masken sind ab. Frontal zum Publikum sitzen in der Schlussszene nebeneinander: Riccardo und Amelia, Renato und seine beiden Mitverschwörer Tom und Samuel. So lange, bis die Waffe, die im Zeitlupentempo von Hand zu Hand gewandert ist, endlich ihren Zweck erfüllt hat und das eingetreten ist, was alle hilflos erwartet haben. Kein Attentat im eigentlichen Sinne...
