Goldmark: Die Königin von Saba

Magdeburg

Opernwelt - Logo

Kleine Opernhäuser leben im Spagat. Einerseits sind sie für kulturelle Basisversorgung zuständig, sprich, sie müssen ihrer Stadt samt Umland früher oder später eine «Bohème» anbieten, und auch ein Musical wird gelegentlich erwartet. Andererseits brauchen sie als Legitimation überregionales Echo. Das klappt eigentlich nur durch konstante Arbeit am Niveau und durch Stücke, die man sonst nirgends erleben kann.

Wenn beides zusammenkommt, sind alle froh: die Stadtväter darüber, dass sie richtig investieren; die Künstler darüber, dass sie sich nicht nur regional verausgaben, und die angereisten Kritiker, dass sie Ohren und Augen nicht zudrücken müssen.
In Magdeburg konnte man die Ohren weit offen halten. GMD Gerd Schaller und Christof Hilmer, der Chordirektor, haben Karl Goldmarks «Königin von Saba» sorgfältig einstudiert. Genau austariert ist nicht nur die Balance zwischen Bühne und Orchestergraben. Auch die Klangfarben der einzelnen Instrumentengruppen sind es. Der Chor weiß genau, wann welche Dynamik, welche Artikulation ansteht. So nimmt man den einstigen Bestseller nicht als schwülstigen Makart-Ableger wahr, sondern hört in seine Feinstruktur hinein. Die Solisten gehören allesamt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tief im Spießermief

Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge...

Salieri: Axur, König von Hormus

Was hätte dieser Abend für eine Entde­ckung werden können: Antonio Salieris einstiger Kassenschlager, der 1788 – kurz vor der Französischen Revolution – in Wien Mozarts «Don Giovanni» an Aufführungen und Publikumsgunst haus­hoch übertraf. Doch für den Sprengstoff des Librettos von Lorenzo da Ponte hatte der Regie führende Intendant Ulrich Peters keinen Sinn....

Banalität des Bösen

Die gepuderte Perücke taucht aus dem aufgeschäumten Kaffeeobers auf. Oder versinkt sie darin? «Latte Amadeus – mit einem Hauch von Mozart» ist die gastronomische Variante des Feldkirch Festivals 2006, wenn man so will eine ganz konsequente. Denn auch in der «kleinen his­torischen Stadt» (Fremdenverkehrsprospekt) auf der vorarlbergischen Alpenrheinseite hat der...