Banalität des Bösen

«Don Giovanni», dirigiert und inszeniert von Thomas Hengelbrock, und die Uraufführung von Simon Wills «The Secret Agent» in Feldkirch

Opernwelt - Logo

Die gepuderte Perücke taucht aus dem aufgeschäumten Kaffeeobers auf. Oder versinkt sie darin? «Latte Amadeus – mit einem Hauch von Mozart» ist die gastronomische Variante des Feldkirch Festivals 2006, wenn man so will eine ganz konsequente. Denn auch in der «kleinen his­torischen Stadt» (Fremdenverkehrsprospekt) auf der vorarlbergischen Alpenrheinseite hat der Jubilar alles erobert: vom Kaffeeglas bis zum Schaufenster, aus dem «Amadeus!» in meist gutbürgerlichen Varianten herauslugt.
Die Idee des Festivals auf dem Lande hat Tradition.

Stichworte: Konzentration, Konkurrenzlosigkeit. Man ist der Kunst ganz nahe – und den Künstlern. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, Don Giovannis Alter Ego bei «Latte Amadeus» am Nachbartisch im Caféhaus zu erleben, in Feldkirch nicht gering. Das Fes­tival unter der Künstlerischen Leitung Thomas Hengelbrocks setzt auf Unkompliziertheit. Hier Klassik, da Weltmusik. Die Spielstätten wirken alles andere als herausgeputzt. «Don Giovanni» im Montforthaus, einer Art kleiner Stadthalle mit dem diskreten Charme der Siebziger; eine Opernuraufführung am Tag später im fabrikähnlich umgebauten Alten Hallenbad. Werkstatt­atmosphäre.
Auch Thomas Hengelbrocks ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
Don Quichote in mannigfacher Gestalt

Bellezza, verità e vanità – das Schöne, das Wahre und die Ware. Das ist nicht ganz korrekt übersetzt, doch entsprechen einander die kritischen Anzüglichkeiten. Ist es ein Sprachscherz des Hegel’schen Weltgeistes über die Mentalität der Völker? Die Wortspiele, die der klassischen Dreiheit vom Schönen, Wahren und Guten ans Leder gehen, zielen bei den Teutonen auf den...

Sinn fürs Machbare

West-Berlin, Akademie der Künste, 29. Januar 1981. Eine bis dahin noch nie in Erscheinung getretene Gruppe um den Regisseur Henry Akina zeigt Poulencs «Voix humaine», Ned Rorems «Poems of Love and Rain» und Janáceks «Tagebuch eines Verschollenen». Der Spiritus Rector inszeniert, die musikalische Leitung hat Ivan Törzs. Drei Novitäten auf dem Ber­liner Spielplan....

Verdi: Aida

«Aida» auf Tonnen von Sand in Sporthallen, als Feuerspektakel auf Europatournee, Open Air in der Arena von Verona oder vor dem Tempel der Hatschepsut in Theben – alles schon dagewesen. Aber als Operette in einem palmenbestückten Wintergarten? Bei der Pariser Weltausstellung 1889? Oder doch 1870, zur Entstehungszeit der Oper, in einem imaginären Nobelhotel zu...