Seltene Entfesselung
Nach einem Album mit romantischen Arien, darunter selten zu hörende Preziosen von Franz Schubert und Otto Nicolai, legt Christian Gerhaher nun ein weiteres vor, das ausschließlich Mozart gewidmet ist und Bassarien aus den drei Da-Ponte-Opern sowie aus der «Zauberflöte» enthält. Das erscheint auf den ersten Blick wenig spektakulär – und ist es in vielerlei Hinsicht doch.
Gerhaher ist zwar vor allem als Maßstäbe setzender Liedsänger bekannt, hat aber mit seiner Kunst der expressiven Verdichtung auch auf der Opernbühne bislang ungeahnte Perspektiven auf Figuren wie Monteverdis Orfeo, Debussys Pelléas oder Wagners Wolfram eröffnet. Auch den Kosmos Mozart’scher Helden und Antihelden hat er neu beleuchtet, besonders eindrucksvoll als Don Giovanni vor einem Jahr in Frankfurt.
Auf seinem Album ist Gerhaher sowohl Don Giovanni als auch Leporello, Graf Almaviva wie Figaro. Er verzichtet darauf, seine Stimme zu maskieren, um Herrn und Diener zu charakterisieren – sie sind, wie nicht zuletzt die Inszenierungsgeschichte der Werke in jüngerer Zeit deutlich gemacht hat, einander ohnehin ähnlicher als früher behauptet. In Don Giovannis Canzonetta, mit einem kurzen Gastauftritt des wunderbaren ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Thomas Seedorf
Als in Paris «Echo et Narcisse» in Bausch und Bogen durchfiel, kehrte Gluck 1779 verbittert nach Wien zurück: Nie wieder eine Oper! Doch schon vor «Narcisse» hatte er begonnen, sich mit dem Danaiden-Stoff auseinanderzusetzen, und 1782 war die Schmach so weit vergessen, dass er das Schmollen wieder ließ. Da seine Rechte nicht mitspielte, ging ihm der junge Antonio...
Bildmacht ist Barrie Koskys Theater gewiss nicht abzusprechen. Olympia: ein Doppelwesen, bestehend aus einer tumben Stoffpuppe (einem Mann) und einem Automatenmöbel, aus dessen mittlerer Schublade ein roter Rapunzel-Zopf hervorzüngelt. Hoffmann, aufgespalten in gleich drei Figuren, sitzt als alter Mann (Uwe Schönbeck) auf einer Riesenraute aus leeren Pfandflaschen...
Wieder ertönt das weiße Rauschen mit diesem dröhnenden Brummen. Eine aus der Gruppe von acht Leuten, die sich bis hierhin brav von Raum zu Raum bewegt hat, stößt eine Klapptür auf, wir folgen, verharren in einer Schleuse (das Dröhnen!), gelangen auf ein Zeichen durch die nächste Tür in eine Art Wartezimmer. Kitschige Tapetendrucke, ein Zimmerbrunnen spült klares...
