Bernsteins beste Oper
Sein ganzes Komponistenleben lang war Leonard Bernstein ein eifriger Grenzgänger zwischen «ernster» und unterhaltender Musik, dabei dem etwas pauschalen Motto folgend, es gebe keine Trennung zwischen E und U, sondern bloß zwischen guter und schlechter Musik. Nur die Oper ging ihm nie wirklich von der Hand – obwohl er immer davon träumte, die große amerikanische Oper zu schreiben. Auch mit «A Quiet Place» (1983) verfehlte er sein Ziel, doch machte dieses Werk auf ein anderes aufmerksam, in dem er der genrespezifischen Quadratur des Kreises mit einfachen Mitteln sehr nahe gekommen war.
Denn eingebettet in die dreiaktige Oper um die Probleme eines homosexuellen Sohnes mit seinem machohaften Vater war «Trouble in Tahiti», ein Einakter, den Bernstein 1952 an der Brandeis University in Waltham/Massachusetts herausgebracht hatte, sein wohl avanciertestes Musiktheaterwerk. Das vierzigminütige Stück zeigt das triste Innenleben eines Mittelklasse-Ehepaars in den Suburbs einer typisch amerikanischen Großstadt. Sam ist Bürokarrierist und widmet sich neben seinem Beruf und dem Sport vor allem seiner Sekretärin. Dinah frequentiert Psychotherapeuten, Modegeschäfte und das Kino, wo sie sich ...
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