Mörderische Leere

Nancy: Korngold «Die tote Stadt»

Opernwelt - Logo

Erich Wolfgang Korngolds bekannteste Oper scheint untrennbar verbunden mit der morbiden Atmosphäre der Stadt Brügge, Schauplatz des Romans «Bruges-la-morte» von Georges Rodenbach, der dem Libretto zugrunde liegt. Da geht Regisseur Philipp Himmelmann schon ein gewisses Risiko ein, wenn er in seiner Produktion an der Opéra de Lorraine auf jegliches Lokalkolorit verzichtet. Raimund Bauer hat ihm eine puristische Bühne gebaut, bestehend aus sechs in zwei Etagen angeordneten Boxen, in die der Zuschauer blickt wie in fremde Wohnzimmerfenster.

Die Ausstattung ist spartanisch, ein Sessel, eine Stehlampe. Hier lebt Paul in krankhafter Symbiose mit seiner toten Frau Marie, bis er in der Tänzerin Marietta ihr Ebenbild trifft. In seinen Visionen, die einen Großteil der Handlung ausmachen, wächst daraus eine Beziehung, die damit endet, dass er Marietta tötet.

Himmelmanns Kunstgriff: Die Akteure treffen sich nie direkt, sie halten sich in unterschiedlichen Räumen auf. Das wirkt wie eine antiquierte Filmtechnik, mit der man früher ermöglichte, einen einzelnen Schauspieler in Zwillingsrollen einzusetzen: Wenn Paul Marietta umarmt, tut er das für sich allein, und parallel agiert Marietta synchron ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Kritik, Seite 99
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Hitchcock lässt grüßen

Wer neunzigmal als früherer Konzertmeister des Mahler Chamber Orchestra den «Don Giovanni» unter Claudio Abbado und Daniel Harding gespielt hat, der weiß, wie es geht. Und vermag nun seine durchaus eigene Sichtweise selbst dem eher Mozart-ungeübten Orchester des Venezianischen Teatro La Fenice zu vermitteln. Mit ruhiger, entschiedener Schlagtechnik ist Antonello...

Theaterlebensnah

Hans Knappertsbusch und München – das war ein langes, teils verworrenes und nicht immer unproblematisches Verhältnis. 1922 übernahm er, als Nachfolger Bruno Walters, die musikalische Leitung der Bayerischen Staatsoper, die er – politisch bedingt – 1937 wieder aufgeben musste. Nach dem Krieg kehrte er 1945 für kurze Zeit in sein altes Amt zurück, bevor man ihm eine...

Sentiment und Action

In Texas muss alles groß sein. So hat die Dallas Opera in ihrem 53. Jahr für ihre dritte Uraufführung nach einer besonders gewichtigen Vorlage gegriffen. Den Umzug in das neue, von Norman Foster entworfene Theater feierte man letzten Oktober unverfänglich mit Verdis «Otello», jetzt wurde mit Herman Melvilles «Moby Dick» ein dicker Brocken gewuchtet, der die...