Der Regisseur als Autor?

Die Berliner Volksbühne überprüft, ob die Unantastbarkeit der Partitur schützenswert ist

Opernwelt - Logo

Lange war es üblich, Opern in bearbeiteter Form zu zeigen: übersetzt, gekürzt, umgestellt, ergänzt, mit Eingriffen in Dramaturgie und Notentext. Mozart, «Verdi-Renaissance», der Kampf um die Originalfassungen des «Boris», «Hoffmann», der «Carmen» sind nur die notorischsten Beispiele. Als Reaktion formierte sich in den fünfziger Jahren die Urtext-Bewegung. Wissenschaftler erarbeiteten quellennahe Partituren, die in Einzelfällen auch auf die Bühne kamen: Zeddas «Barbier von Sevilla», Oesers «Carmen».

Parallel zum Vormarsch der «Historischen Auffüh­rungspraxis» wurden Originalfassungen Mode: Regisseure rieben sich an ihren Schroffheiten, Widersprüchen, scheinbaren Absurditäten und holten sich da­raus Anregungen für Deutungen jenseits der Konvention. Im Laufe der Jahre verlagerte sich der Deutungsakt vom Text und historischen Kontext eines Werkes auf seinen Subtext.
Jetzt stehen wir wieder an einer Wende. In Barbara Beyers Interview-Band «Wa­­rum Oper?» (Alexander-Verlag, 2005) konstatiert Sebastian Baumgarten, Jahrgang 1969: «Der Regieberuf als Interpretationsmaschine scheint mir einfach vorbei zu sein», und fordert: «Der Regisseur müsste auch wieder mehr als Autor in Erscheinung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Magazin, Seite 26
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Fest für Claudio

Die große Drehtür am Basler Theater ist gesperrt, die gesamte Glasfront mit schwarzen Vorhängen verhüllt – das Foyer betritt man an diesem Premierenabend durch einen Seiteneingang. An den Wänden hängen bodenlange Ketten mit runden Spiegelplättchen, die breite Treppe zum ersten Rang ist mit einem roten Teppich ausgelegt. Da steht man nun und staunt, redet und...

Kaltes Licht

Die Masken sind ab. Frontal zum Publikum sitzen in der Schluss­szene nebeneinander: Riccardo und Amelia, Renato und seine beiden Mitverschwörer Tom und Samuel. So lange, bis die Waffe, die im Zeitlupentempo von Hand zu Hand gewandert ist, endlich ihren Zweck erfüllt hat und das eingetreten ist, was alle hilflos erwartet haben. Kein Attentat im eigentlichen Sinne...

Scheiden tut gar nicht weh

Es war ein Skandal für die grande famiglia der italienischen Nation: Kürzlich meldeten italienische Tageszeitungen, dass ausgerechnet das Mutterland der katholischen Kirche die höchste Scheidungsrate ganz Europas hat. Gleichwohl wird Paaren die Trennung nicht leicht gemacht, selbst einvernehmliche Scheidungsverfahren können sich ewig hinziehen. Nun gibt ein...