Zum Verzweifeln
Diese Inszenierung ist ein Rätsel. Da gibt es im Programmheft eine Serie von Fotos, die die Solisten des Abends bei einem Besuch im Wuppertaler Polizeipräsidium und im Gefängnis zeigen: Die Menschen vereinzelt, verloren vor nackten Betonwänden, in Zellenfluren und Verhörräumen; und wiewohl die Sänger als Privatpersonen auftreten, sind doch Personen und Stationen der Handlung erkennbar.
Diese Bilder, ihr kaltes Licht, ihre ausgebleichten Farben, die Isolation der Menschen – das alles verströmt eine bedrückende Atmosphäre der Gefangenschaft, einer an Hoffnungslosigkeit grenzenden Melancholie. Die Fotos erzeugen jene Oszillation zwischen dem Stück und der Gegenwart, die man von einer guten Inszenierung erwarten würde. Umso verblüffender (und enttäuschender), dass auf der Bühne nichts davon zu sehen ist.
Der neue Intendant Johannes Weigand hat das Stück im historischen Kostüm vor gequaderten Gefängnismauern und in einem dunklen Nicht-Ort mit Stufen und Säulen als Kerker (Ausstattung: Markus Pysall) schlicht und ergreifend durchgestellt. Es herrscht das längst überwunden geglaubte Als-ob-Theater verstaubtester Machart: Marzelline tut so, als ob sie mit ihrem Biedermeier-Bügeleisen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das älteste Opernhaus der südlichen Hemisphäre? Es steht nicht in Buenos Aires, nicht in Mexico, nicht in Manaus, sondern auf Mauritius. Joseph Laglaine, ein französischer Entrepreneur, brachte 1790 eine 45 Personen starke Truppe von Musikern und Sängern auf die östlich von Südafrika gelegene Insel. Nach wenigen Jahren mit mehr oder weniger improvisierten...
Das anfängliche Bauchgrummeln, die Angst vor der neuen Spielplan-Linie räumt Intendant Ulrich Peters gern ein. Doch der Erfolg gibt ihm im Nachhinein Recht: Der frühe Verdi, das haben «I masnadieri» vor einem Jahr gezeigt, funktioniert am Gärtnerplatztheater bestens. So gut, dass man für die Münchner Erstaufführung von «Giovanna d’Arco« noch einmal zu denselben...
Nur bei wenigen Sängern besteht unter Kritikern und Verehrern ein so einhelliger Konsens in der Beurteilung wie bei der Sopranistin Lucia Popp. Diejenigen, die sie noch live erlebt haben, bekommen oft feuchte Augen, wenn von ihr die Rede ist, und selbst hartnäckige Nörgler geraten ins Schwärmen. Das Klischee vom «Stern am Opernhimmel» erhielt bei ihr eine konkrete,...
