Ideal verwirklicht
Ja, die sieben Zwerge sind wirklich traurig, als das ihnen zugelaufene Schneewittchen scheintot in seinem Sarg aus Eiskristallen liegt. Doch einer der sieben Winzlinge ist einfach nur ehrlich, wenn er sich fragt: «Wer putzt denn jetzt?» In gendergerechten Zeiten gilt es schließlich, das Verhalten jener Männer-WG zu hinterfragen, deren Bewohner wie Wagners Nibelungen im Bergwerk schuften und ziemlich froh sind, dass tagsüber endlich mal ein weibliches Wesen zu Hause für Ordnung sorgt.
Und der Prinz, der sich am Ende unsterblich ins entzückende Schneewittchen verliebt, gibt zwar zunächst den präpotent-blaublütigen Jüngling, ist aber ein echter Angsthase, der erst einmal das Weite sucht, als die Angebetete unverhofft aufwacht, nachdem ihr der von der bösen Königin verabreichte Giftapfel aus dem Halse gehüpft ist. Die tausendmal Schönere gibt sich hernach eindeutig emanzipiert: Keck schnappt sie sich das dem Prinzen vorbehaltene Steckenpferd (und eben nicht das ihr vom Königssohn angebotene) und reitet mit ihm zum Schloss seines Vaters.
Keineswegs aufgesetzt zeitgeistig, sondern unverkrampft heutig setzt Birgit Kajtna den Märchenklassiker in der Opera stabile der Hamburgischen ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Peter Krause
Vielleicht waren die Erwartungen (vor allem unsere) zu hoch geschraubt, wog der Ballast der Rezeptionsgeschichte zu schwer, wirkte der unbedingte Wille, Neues, Anderes, Außerordentliches schaffen zu wollen, wie eine Bremse für die Inspiration. Und vielleicht steckte schon im konzeptuellen Ansatz dieses Abends das hinterhältige Teufelchen. Traurige Erkenntnis ist...
Endlich wieder eine Uraufführung auf der Hauptbühne des Gran Teatre del Liceu in Barcelona; die letzte, Joan Guinjoans Oper «Gaudí», liegt fast 15 Jahre zurück (siehe OW 1/2005). «L’enigma di Lea» von Benet Casablancas, 1956 geboren, Katalane und Schüler unter anderem von Friedrich Cerha, wurde 2011 vom damaligen Künstlerischen Leiter Joan Matabosch in Auftrag...
Seit fünf Jahren hatte er nicht mehr vor einem Orchester gestanden, sich in sein Haus am Mondsee im Salzkammergut zurückgezogen. Als er spürte, dass Körper und Geist nicht länger den rigorosen Ansprüchen genügten, die er an sich und andere stellte, trat er aus dem Rampenlicht, das er eigentlich nie gesucht, eher als unvermeidliche Begleiterscheinung des Berufs...
