Das Methusalem-Komplott
Wagners deutschtümlichste Oper, die «Meistersinger», als ultimatives Paradestück zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung? Ein solcher Rösslsprung gelingt selbst Daniel Barenboim nicht mit links. Kein Zufall, dass er in seiner 20. Wagner-Produktion an der Berliner Staatsoper die politische Mission mit einer dramaturgisch ablenkenden Pointe garniert. Auf zwei Feiertage ist diese «Meistersinger»-Premiere verteilt.
Der erste und zweite Akt beginnen um 20.
30 Uhr – so spät also, dass der erste Abend später zu Ende geht als ein vollständiger (normalerweise um 16 Uhr anhebender) «Meistersinger»-Tag. Der dritte Aufzug folgt am Sonntag um 12 Uhr, alles werde zu der im Libretto ausgewiesenen Zeit aufgeführt, hieß es. «Morgendlich leuchtend»? Das hat dann schon einen Beigeschmack von Spätaufsteher-Bummelei.
Ob die «Meistersinger» zum Tag der deutschen Einheit passen, ist eine schwierige, halb müßige Frage. Opernaufführungen zu jener Tages- oder Nachtzeit zu spielen, in der gehandelt wird, ist dagegen kaum mehr als ein Gimmick. Sind Vivaldis «Vier Jahreszeiten» als Lieferung in vier vierteljährlich voneinander getrennten Portionen sinnvoller – und erhellender? Sollte über dem «Lied an ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser
Regisseur Calixto Bieito empfängt uns im ersten Aufzug seines «Tannhäuser» nicht mit einer Lusthölle, sondern mit einem Naturidyll. Die triebgesteuerte Unterwelt der Venus ist für den Spanier keine pornografische Zwangsveranstaltung, in der Tannhäuser die Luft zum Atmen dünn wird, sondern ein friedliches Reich voll frischen Grüns und zarter Sinnlichkeit....
Konzertant – eine hübsche Untertreibung war das damals. Als im Februar dieses Jahres Kleopatra-Klone vor dem römischen Parco della Musica Programmhefte an die Besucher verteilten und drinnen die Banda der Staatspolizei in schmucken Uniformen dicht unter der Decke postiert war. Mit ungewohnt warmen Trompetenklängen schickte sie den Hit aus Giuseppe Verdis «Aida» in...
Wie bei den getreuen Vierbeinern verhält sich das. Sie dürfen zwar mal in dieser, mal in jener Ecke schnüffeln. Doch wenn es Herrchen oder Frauchen beliebt, schnurrt die Leine wieder auf kurze Distanz zusammen. Auch die Innsbrucker Festwochen für Alte Musik haben nun einen solchen «Besitzer» bekommen. In diesem Fall ist es das Tiroler Landestheater, das...
