Der Verzauberer
Da saß er nun endlich im Ruhrtriennale-Büro und redete auf mich ein. Die Haare standen ihm vom Kopf, als wäre er gerade in einen Sonnensturm geraten. Seine dunklen Augen glänzten und ließen nicht los. Er erzählte von der unterirdischen Stadt, die sich von Duisburg bis Dortmund erstreckte, von den großen Bahnhöfen untertage und wollte dort irgendwo unbedingt ein großes Objekt aufstellen. Dieser Plan schlug fehl. Zu kompliziert, zu teuer, keine Transportwege.
Was also tun mit ihm dem Oberhausener, der direkt aus dem Revier kam? Das letzte Mal hatten wir uns in der Bayreuther Kantine gesehen. Er hatte das Schicksal aller Regisseure auf dem Hügel erlitten, als sich das dortige Establishment widerborstig auch gegen ihn stellte und seine Arbeit behinderte. Sie konnten sich eben vorher nicht vorstellen, wer er war. Wir haben dann viel telefoniert, er hat mich oft gefragt, wie man den störrischen Altvorderen Paroli bieten könne. Da hatte ich Erfahrung. In einem dieser Gespräche verabredeten wir kurzerhand, er solle bei der Ruhrtriennale arbeiten.
Wir hatten freilich alle ein wenig Angst vor ihm, seiner ungebärdigen Fantasie und vor diesem extrem starken und ehrgeizigen Willen. Kann man das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
50 Jahre «Opernwelt» und «Theater heute»: Das haben wir zum Anlass genommen – nicht für einen Festakt, sondern für ein Fest. Es fand am 28. August im Berliner Schiller-Theater statt, einem Ort, der durch seine Geschichte mit dem Schauspiel und durch seine Zukunft mit der Oper verbunden ist. (Seit Oktober 2010 spielt dort die Berliner Staatsoper, danach wird ihn die...
Die Klage über die guten, alten Zeiten ist kaum weniger alt als die zum Bewußtsein ihrer selbst erwachte Menschheit. Ob bei den Verfassern der attischen Tragödie, ob in der Hochblüte römischer Lyrik eines Catull, ob in gelehrten Abhandlungen der Renaissance oder in den romantischen Gedichten eines Eichendorff: immer erhebt sich [...] die klagende Repräsentation der...
Es war viel Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen: Als Vorbereitung für das Jubiläumsfest und für dieses Jahrbuch haben wir alle Hefte der «Opernwelt» aus fünfzig Jahrgängen durchgesehen. Manchmal mit einer gewissen Scheu: Wie hat die Redaktion von damals auf die gesellschaftlichen Umwälzungen von 1968 reagiert? Hatte «Opernwelt» eine gute Nase für wirklich...
