Augenschmaus

Lehár: Die lustige Witwe New York / The Metropolitan Opera

Opernwelt - Logo

Schon das zweite Jahr in Folge stand als Herzstück der Benefiz-Gala an der New Yorker Metropolitan Opera eine Operette auf dem Silvester-Menü. Die Broadway-erfahrene Regisseurin und Choreografin Susan Stroman brachte Lehárs «Lustige Witwe» weit mehr zum Sprühen als es Jeremy Sams im Vorjahr mit seiner aufgeblähten «Fledermaus» gelang. Trotzdem: Operetten mit ihren ausgedehnten gesprochenen Dialogen bleiben ein problematisches Genre für das große New Yorker Haus – und für dessen Akteure, die großes Gefühl nun mal lieber singend über die Rampe bringen.



Vor allem Renée Fleming merkte man das an. Die Sopranistin tat sich schwer damit, die für sie zu tief liegende Titelpartie mit angemessenem Volumen und Aplomb zu füllen, selbst in höheren Lagen klang sie verhalten. Und in den mikrofonverstärkten Dialogen gab sie sich majestätisch – keine Spur von der herzerfrischenden Unkompliziertheit des bodenständigen Mädels vom Land. Dagegen fühlte sich die quirlige Broadway-Schauspielerin Kelli O’Hara als läufige Gattin des pontevedrinischen Konsuls bei den Sprech- und Tanzeinlagen ganz in ihrem Element. Zwar klang ihr Sopran zunächst etwas nervös, doch im Verlauf des Abends legte sie kräftig zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heidi Waleson

Weitere Beiträge
Wirr ist das Volk

Ein Montagabend in Dresden, halb sieben. Vom Zwinger, vom Kempinski, von der Hofkirche her schieben sich Menschen auf den Platz vor der Semperoper. Über der Menge wehen Fahnen. Schwarz-Rot-Gold, Adler. Ortsschilder und  Spruchbänder werden hochgehalten. Einige grimmig dreinblickende Glatzen stehen herum, doch die meisten sehen ganz normal aus. 17 500 Demonstranten...

Komische Opern

Herr Jacobs, Sie dirigieren in Wien den «Barbier von Sevilla» – aber nicht den von Rossini ...
Nein, das wäre ein noch größerer Schritt für mich gewesen. Mir geht es vorerst um den «Barbiere» von Giovanni Paisiello. Mozart fand Paisiello dermaßen gut, dass er dessen «Barbiere» eben deshalb fortsetzen wollte. Noch Rossini hatte Angst, dass sein «Barbiere» durchfallen...

Unerreichbar nah

Der Bahnhofslautsprecher weiß es genau: Der Zug Nummer 1866 hat 148 Jahre Verspätung. Die Straßburger Premiere widerlegt die Ankündigung spielend und tanzend. Offenbachs Opéra bouffe «La Vie parisienne» (stimmt: Jahrgang 1866) ist in Wahrheit überpünktlich – meint: so genau auf dem Punkt, wie eine Vergegenwärtigung Maître Jacques’ nur sein kann. Die Deutsche Bahn,...