An der Oberfläche
«Wir fragen uns heute, wie es möglich sein kann, anders zu arbeiten.» Mariame Clément, die junge franco-iranische Regisseurin, die seit ihren Debüts in Biel, Lausanne, Bern, Lübeck und Straßburg mit einer Überfülle an Einfällen, kleinen Geschichten und feinen Assoziationen auffällt, hat in ihrer kurzen Karriere bisher meist mit der Ausstatterin Julia Hansen zusammengearbeitet. Die gegenseitige Befruchtung, die sich etwa am Zusammenspiel von Kostümdetails und präzise darauf abgestimmter Gestik offenbart, haben Clément und Hansen in bestechender Weise kultiviert.
Der erzählerische Reichtum und die Vieldeutigkeit der Figurenkonstellationen ist zum eigentlichen Markenzeichen der Inszenierungen von Mariame Clément geworden. Unzählige Ideen belebten schon ihre Deutung von Offenbachs «Schöner Helena» im vergangenen Dezember an der Opéra national du Rhin in Straßburg. Die oft unterschätzte leichte Muse trat da mit Geist und abgründigem Humor auf. In Lausanne wiederum stellten Clément und Hansen Rossinis «Il signor Bruschino» und Puccinis «Gianni Schicchi» kraft kleiner «clins d’œil», Augenblicke, die akkurate visuelle Brücken und Querverbindungen bildeten, nicht bloß nebeneinander, ...
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