Dekorative Arrangements
Die Klage «Manca la diva» kann man heute nur noch selten erheben, wenn es um Aufführungen des romantischen Belcanto-Repertoires geht, und auch die Tenöre singen technisch und stilistisch meist kompetenter als ihre Vorgänger vor einem halben Jahrhundert. Doch die Frage, wie man den Werken szenisch adäquat beikommt, ohne den Primat des Gesangs anzutasten, wird in den meisten Inszenierungen gar nicht oder nur sehr halbherzig beantwortet – nämlich von Regisseuren, die aus dem Ausstattungsbereich kommen und deren interpretatorische Ambitionen sich oft im Dekorativen erschöpfen.
Das gilt etwa für Pier Luigi Pizzis Produktion der frühen Rossini-Seria «Tancredi», die erstmals 1999 in Pesaro präsentiert wurde und sechs Jahre später beim Maggio Musicale Fiorentino ankam, wo sie auf DVD mitgeschnitten wurde. Es ist eine äußerst kompatible Inszenierung, die den Rahmen eines Konzerts in Kostümen nur selten sprengt und die Sänger sich selbst überlässt. Die junonische Daniela Barcellona stapft als Tancredi schwerfällig und elegisch durch die Szene und versucht singend, aus dem übermächtigen Schatten Marilyn Hornes herauszutreten. Partiell gelingt ihr das. Auch an Darina Takovas Amenaide ist ...
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Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft....
Was? Sie kennen Dvoráks «Král a Uhlír» nicht? – Kral-a-was? Nee. Muss man das kennen? Ein bisschen snobistisch ist es schon, wenn Orfeo auf dem Cover wie auf dem Besetzungszettel nur den tschechischen Titel eines Werkes nennt, von dem außerhalb Tschechiens kaum jemand je gehört haben dürfte. «Král a Uhlír» ist ganz simpel mit «König und Köhler» zu übersetzen, es...
