Wer hat Angst vorm Ruhestand?
Wotan ist in der Dessauer «Walküre» ein Hollywood-Tycoon, der in seiner Firmenzentrale hoch überm nächtlichen Lichtermeer von L. A. den Generationenwechsel vorbereitet. Tochter Brünnhilde aber, von ihrem Stühlchen aus erstmals Regie führend, merkt während der Todesverkündigung, dass die beiden Hauptdarsteller in dem Streifen, den ihr Vater nicht fertig kriegt, nicht nur spielen, sondern sich wirklich lieben. Eigenmächtig ändert sie das Drehbuch. Wotan schreitet in bekannter Weise ein und lässt sich anschließend vom Kameramann den Datenträger aushändigen.
Die in Ungnade gefallene Newcomerin will ihren Schützling Sieglinde bei den Freundinnen auf der Walküren-Party verstecken. Hier amüsieren sich die ausgefallen frisierten Sterne und Sternchen aus dem «Stall» ihres Vaters mit Gogo-Boys (Kostüme: Suse Tobisch). Am Ende kriegt der urkomisch tricksende, seinen altersbedingten Ruhestand immer wieder hinauszögernde Studio-Patriarch doch noch die Kurve. Ulf Paulsen legt nach allerlei gelungenem Jux einen tief bewegenden Abschied auf die Bretter – und Tochter Brünnhilde auf den schicken Art-Nouveau-Tresen, der sich in den aus «Siegfried» (siehe OW 5/2013) bekannten ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Boris Kehrmann
Jonas Kaufmann sorgte neulich für Empörung, weil er sich weigerte, Fans die Hand zu schütteln – könnten ja Hustenbazillen oder Grippeviren dran sein. Oder diese beliebte Pavarotti-Anekdote: Wie der in einem konzertanten «Otello» in Chicago saß, mit einem solchen Berg Medikamente neben sich, dass er glatt seine eigene Apotheke hätte aufmachen können.
Tja, was tut man...
Die Suche nach verborgenen Schätzen der Musikgeschichte führte Cecilia Bartoli dieses Mal nach Sankt Petersburg. Dass westeuropäische Musiker seit den 1730er-Jahren am Zarenhof tätig waren und Opern nach italienischem Modell aufführten, ist seit Langem bekannt. Gehört hat diese Musik bisher wohl kaum jemand, nicht zuletzt aufgrund der desolaten Quellenlage: Die...
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