Überwältigendes Totaltheater
Die Afrikaner sollen das Marschieren lernen. Erst klappt es nicht so richtig. Sie bewegen sich zwar im Takt der Marschmusik, ihre Bewegungen erinnern jedoch an Stammestänze. Doch bald fügen sie sich und ziehen für ihre Kolonialherren in den Krieg. William Kentridges Stück «The Head and the Load» erzählt von den vielen afrikanischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind. Sie wurden vor allem als Träger eingesetzt; jedem europäischen Soldaten standen drei von ihnen zu, jedem Offizier neun.
Ein afrikanischer Schauspieler trägt Zahlen vor.
Er benennt, wie viele tausend Männer aus den verschiedenen Ländern rekrutiert wurden. Sie schleppten zerlegte Schiffe, Maschinengewehre und Flugzeuge von einer Schlacht zur anderen. Wenn sie starben, wurden sie sofort ersetzt – Menschenmaterial, Kanonenfutter. Die Sänger, Schauspieler, Tänzer und Musiker des riesigen Ensembles geben ihnen Gesichter, ohne dass sie Einzelne psychologisch verkörpern würden. Sie spielen, singen und tanzen mit großer Ernsthaftigkeit, zugleich wilder Energie und Lebensbejahung.
William Kentridge erzählt die bisher weitgehend unbekannte Geschichte dieser afrikanischen Soldaten als Collage. So kommt keine ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Stefan Keim
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