Musik als Drama
Große Namen müssen noch nicht zum Erfolg führen. Das sieht man bei zusammengekauften Fußballmannschaften genauso wie bei prominent besetzten Opernensembles. Es kann aber auch sein, dass sich Qualität im Ensemble potenziert, dass sich Stimmen dem Gesamtklang fügen, ohne dabei an Individualität zu verlieren. Der konzertant gegebene «Don Giovanni», mit dem das Festspielhaus Baden-Baden seine Sommerspiele eröffnete, ist solch ein Glücksfall. Und kann auch schon bald auf CD nachgehört werden. Überragendes Können trifft auf Musikalität, Leichtigkeit auf tiefen Ernst.
Das ist zunächst das Verdienst des Dirigenten Yannick Nézet-Séguin, der schon bei der vom Mahler Chamber Orchestra vital, aber nicht überhitzt gespielten Ouvertüre zeigt, dass er kein Mann oberflächlicher Effekte ist. Die dynamischen Kontraste krachen nicht aufeinander, sondern werden vermittelt. Die Streicher zu Beginn spielen senza vibrato, ohne dabei scharf zu klingen. Der Kanadier antizipiert alle musikalischen Abläufe. Er modelliert das Detail, lässt die Musik vom Orchester so genau artikulieren, dass sie zur verständlichen Sprache wird – mit Frage- und Ausrufezeichen, mit selbstbewussten Bestätigungen und plötzlicher ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Georg Rudiger
2005 lieferte die damals in breiten Kreisen wenig bekannte Danielle de Niese in Glyndebourne die Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» als perfekte Music-Hall-Nummer ab, tits, hips and ass, mit schnittigen Koloraturen, doch vokal insgesamt nicht so, dass man in Verzückung gefallen wäre. Dies würde, mutmaßte man, eine jener Karrieren werden, die sich einem Hören mit...
Zu erwarten war der Flop nicht. Sebastian Baumgarten kann ein ernsthafter, ein bisschen abgehobener Hinterfrager sein, jemand der wirklich zu Inhalten durchdringen will und nicht bloß Plots aufmöbelt. Auf diese Weise ist ihm – nur ein Beispiel – in Kassel ein hellhöriger «Rosenkavalier» gelungen. Nix Happy End. Octavian und Sophie hatten so zuckersüße Grillen im...
Musiktheatralisches begibt sich in Salzburg nicht nur auf den Brettern der Festspielhäuser, die «Konzertoper» liebt die Kirchen der Stadt, so die barocke Kollegienkirche. Die tief gestaffelte Akustik unter der Riesenkuppel des Kirchenraums wird zum «Handlungsträger» von Klangwundern. Und Luigi Nonos monumentaler «Prometeo» zum Appell, Musiktheater rein für die...
