Welttheater, und was daraus wurde
Das Ende ist Stille. Nur von einem ätherischen Geigenschimmer getragen entschwebt die Seele der getauften Muslimin Clorinda in Claudio Monteverdis «Combattimento» gen Himmel. Die Musik löst sich in nichts auf, gesteht ein, dass ihre Mittel hier am Ende sind, dass alle tönende Pracht der voraufgegangenen «Marienvesper» nicht über die Endlichkeit des Daseins hinwegtäuschen kann.
Es ist diese kaum zweiminütige Episode, die erahnen lässt, was aus diesem Monteverdi-Zyklus an der Berliner Staatsoper hätte werden können: das Panoptikum eines zugleich barocken wie modernen Weltbildes, ein Gegen-«Ring», ein Triumph, der endgültig den Anspruch der Barockoper bestätigt hätte, die Grundfragen der menschlichen Existenz mit der gleichen Dringlichkeit zu stellen wie Mozart und Wagner, Verdi und Janácek.
Eigentlich war es wohl auch so gedacht, als der Regisseur Herbert Wernicke irgendwann Ende der neunziger Jahre René Jacobs fragte, ob er sich eine solche Tetralogie aus den drei Monteverdi-Opern samt der Marienvesper vorstellen könnte. Jacobs konnte, und mehr noch, er setzte alles daran, das Projekt auch nach Wernickes Tod Wirklichkeit werden zu lassen. Erst mit dem chinesischen Regisseur Chen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Stephan Braunfels ist von Haus aus Architekt, aus Leidenschaft Opernfan und von daher in Ausnahmefällen auch als Bühnenbildner aktiv. Sein Standpunkt: Nikolaus Lehnhoff ist unter allen lebenden Regisseuren der am klarsten Strukturierte. Einer, bei dem alles auf den Punkt gebracht wird und jede Bewegung logisch ist. Einer, der nichts dem Zufall überlässt oder einer...
«Man kann das Technische, das Vokalartistische dieser prachtvoll strömenden, des pathetischen wie des zartesten Ausdrucks mächtigen Baritonstimme beschreiben, ihre Feinheit, lyrische Verinnerlichung und männliche Ausdruckskraft, ihre wunderbare Modulationsfähigkeit und vergeistigte Schlichtheit – das alles würde nicht ausreichen, die unvergleichlich tiefe Wirkung...
Am Ende seines Lebens machte Wagner die viel zitierte Bemerkung, er sei der Welt noch einen «Tannhäuser» schuldig. Hat er im Innersten geahnt, dass das Theater dank seiner Kunst der permanenten Verwandlung einen neuen «Tannhäuser» auch ohne Hilfe des ursprünglichen Schöpfers herstellen könnte? Hundertfünfzig Jahre nach dem Erscheinen des Werkes hat sich der...
