Nicht Zauberoper, nicht Historiendrama

Nikolaus Lehnhoffs ausgetüftelter «Lohengrin» aus Baden-Baden auf DVD

Opernwelt - Logo

Stephan Braunfels ist von Haus aus Architekt, aus Leidenschaft Opernfan und von daher in Ausnahmefällen auch als Bühnenbildner aktiv. Sein Standpunkt: Nikolaus Lehnhoff ist unter allen lebenden Regisseuren der am klarsten Strukturierte. Einer, bei dem alles auf den Punkt gebracht wird und jede Bewegung logisch ist. Einer, der nichts dem Zufall überlässt oder einer Mode hinterherläuft.


Lehnhoff wiederum gibt das Kompliment zurück: Ihn interessiere am «Lohengrin» weniger die romantische Zauberoper als vielmehr das moderne Psychodrama, und um das umsetzen zu können, brauche er nun mal eine gute Architektur. Die hat ihm Braunfels geliefert für eine Inszenierung, die im vergangenen Juni in Baden-Baden Premiere hatte und als Koproduktion auch an der Mailänder Scala und der Opéra in Lyon gezeigt wurde. Der Mitschnitt dieser Auf­füh­­rung liegt nun, mitsamt eines 68-minü­tigen Dokumentationsfilmes von Reiner E. Moritz, auf drei DVDs vor. Dieser Film ist mehr als nur ein Anhängsel, er ist Informa­tion und Versinnlichung, Ergänzung und Kommentar zum Bühnengeschehen. Der Zuschauer erfährt beispielsweise von Bettina Walter, der Kostümbildnerin, dass Lohengrins silberner Anzug Zeichen einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: DVDs, Seite 56
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das etwas andere Bühnenweihfestspiel

Eine Ausgrabung, die es in sich hat: Das Theater Hof präsentiert (als Koproduktion mit dem Vorpommerschen Theater Stralsund) die erst 1965 in Prag aufgefundene, 1995 in Bielefeld von John Dew uraufgeführte Oper «Der Sturz des Antichrist» von Viktor Ullmann. Der Komponist, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, bezeichnete das Werk, das er 1935 auf der Basis ­eines...

Neues in nicht immer gänzlich neuem Gewand

Das gibt es auch nicht alle Tage. Eine junge Regisseurin wirft zwei Tage vor der Premiere hin und reist ab, weil man sie um ein paar kleine szenische Änderungen bittet. So geschehen im Next Liberty, einer Nebenspielstätte der Grazer Oper. Dort versuchten sich vier Nachwuchskomponisten aus den Klassen etwa von Beat Furrer oder Georg Fried­rich Haas an Kurzformen...

Adam: Le Toréador

Von Adolphe Adams über siebzig Opern und Balletten sind nur die unsterbliche «Giselle» und der Tenor-Hit des «Postillons von Lonjumeau» der Furie des Vergessens entgangen. Jetzt hat Bielefeld den «Toréador» ausgegraben, eine 1849 uraufgeführte und in Deutschland anscheinend noch nie gespielte Opéra comique. Die Handlung bedient sich des Schemas der erotischen...