Kraftvolle Jugendlichkeit

Frühe WDR-Dokumente zeigen die Anfänge des Liedsängers Dietrich ­Fischer-Dieskau zwischen 1952 und 1955

Opernwelt - Logo

«Man kann das Technische, das Vokalartis­tische dieser prachtvoll strömenden, des ­pathetischen wie des zartesten Ausdrucks mächtigen Baritonstimme beschreiben, ihre Feinheit, lyrische Verinnerlichung und männliche Ausdruckskraft, ihre wunderbare Modulationsfähigkeit und vergeistigte Schlichtheit – das alles würde nicht ausreichen, die unvergleichlich tiefe Wirkung dieses eminenten Sängers zu erklären.» So schrieb ein mit dem Kürzel «E.» genannter Kritiker im März 1958 nach einem Schumann-Liederabend Dietrich Fischer-Dieskaus im Kölner Gürzenich.


Diese euphorisierte Beschreibung enthält, selbst nüchtern betrachtet, eine Reihe von Kriterien, die den Gesangsstil Fischer-Dies­kaus in den fünfziger Jahren recht treffend umschreiben. Nachzuhören ist dies nun in einer Reihe von vier CDs, die zwischen 1952 und 1955 vom WDR produziert und nun erstmals dem Handel zugeführt wurden. Dass diese Aufnahmen in Köln produziert wurden, war wohl kein Zufall. Denn bereits 1950 hatte Fischer-Dieskau dort für den WDR unter Fritz Busch den Renato in Verdis «Maskenball» gesungen. Zwei Jahre später kehrte er an den Rhein zurück, diesmal um unter Richard Kraus in Pfitzners «Pales­trina» mitzuwirken. Auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: CDs, Seite 54
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weniger ist mehr

Als nach der Premiere von Pietro Mas­cagnis «Iris» die letzten Gäs­te das Chemnitzer Opernhaus verlassen, ist vor der Fassade schon das Banner für den nächsten Spieltag festgezurrt. Die «Comedian Harmonists» kommen. Das szenisch in Deutschland zuletzt 1899 (!) aufgeführte Japan-Stück Mascagnis steht erst Ende März wieder auf dem Spielplan. Die Entdeckung muss...

Im Korsett des anderen Konzepts

Da setzen zwei fränkische Theater fast zeitgleich Webers «Freischütz» auf den Spielplan, und beide Male fällt krankheitshalber der dafür engagierte Regisseur aus. Während in Würzburg als Einspringer Raik Knorscheidt mehr Zeit und zündende Einfälle hatte, um dem Konzept von Roland Velte (das dieser bereits 1994 in Halle realisiert hatte) den eigenen Stempel...

Sinn für Zusammenhänge

Sympathie voraus. Das war stets die Devise, von Band zu Band. Kaum ein Musikschriftsteller, kaum ein groß angelegtes Werk, dem die uneingeschränkte Hochachtung von Station zu Station von vornherein so sicher gewesen wäre wie Ulrich Schreiber und seinem «Opernführer für Fortgeschrittene». Und das schon, aber keineswegs nur wegen der nachgerade gigantischen...