Henze: Die Bassariden
Die Masse torkelt. Es baumeln die Arme, es wippen die Knie. Thebens Volk scheint verzaubert. Gott Dionysos hat es verführt. Wie ein Chor aus Bhagwan-Jüngern zieht es dahin, und Dionysos, der rachsüchtige, hinterlistige Gott, trägt ein Dauergrinsen zur Schau. In Köln haben die «Bassariden» Einzug gehalten, und das erstmalig. Man hat sich für die revidierte Fassung von 1992 und damit gegen das Intermezzo «Das Urteil der Kallipe» entschieden.
Gesungen wird im englischen Original, weil das «den Umgang mit allen Zwischentönen der großartigen Textvorlage» erlaubt, so Dirigent Markus Stenz.
Er ist es auch, der über rund zwei Stunden Spieldauer die musikalischen Fäden klug zusammenhält. Mit genauen Einsätzen organisiert er die unterschiedlich hochpeitschenden Klangwellen, mit konzentriertem Blick wechseln seine Augen ständig zwischen Partitur, Orchester und Bühne. In der nicht immer unproblematischen Akustik des Kölner Opernhauses geraten die Sängerstimmen nie wirklich in Gefahr, zugedeckt zu werden, und auch der Chor besitzt in den Piano- und Mezzobereichen genügend Durchschlagskraft. Stenz ist mit Henzes Musik bestens vertraut und konnte das an seine Gürzenich-Leute erfolgreich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dominik Neuners Bühnenbilder, die er selbst für seine Inszenierungen schafft, haben hohen Wiedererkennungswert. Wie bei der «Elektra» im April gab es auch beim «Troubadour» in Kassel eine gewaltige Schuttwüste, die sich aus abstrakten geometrischen Elementen aufschichtete, Rahmen, Ebenen, Höhlen, bestimmt vom «männlichen» rechten Winkel. Einziger Fremdkörper ein...
Onegin trägt seine Sinnsuche in den Zuschauerraum, auf einen um den Orchestergraben gelegten Laufsteg. Sechsundzwanzig sei er, singt er gegen die Säule einer Parterreloge gelehnt, und das Nichtstun kotze ihn an. Ein Besucher in jener Loge fühlt sich angesprochen und zieht sich zurück ins Dunkel. Unangenehm betroffen. Nicht Onegins Schicksals wegen, sondern weil er...
Wagner im Klassenzimmer – die Idee hatte zuerst Peter Konwitschny, als er in Hamburg «Lohengrin» inszenierte. Auch im «Liebesverbot» geht es um die Jugend, konkret: um den Widerstreit jugendlicher Anarchie mit den Gesetzen der Sittenwächter. Ob das Stück, das Wagners Periode des «Jungen Deutschland» spiegelt, auch unter gänzlich veränderten Moralgesetzen aktuell...
