Männerfreundschaft
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied».
Später gibt Tatjana sie an Lenski weiter.
Der wiederum greift im Duell nicht zur Pistole; vielmehr holt er die Waffe seines Freundes Onegin hervor, die dieser offenbar am Herzen trägt, legt sie behutsam in seine Hand mit der Bitte zur Exekution. Denn der Dichter ist lebensmüde, lässt sich quasi von seinem Freund hinrichten. Balázs Kovalik, Regisseur dieses «Eugen Onegin» an der Budapester Staatsoper, hat den Text genau gelesen und sehr genau in die Musik hineingehört und in beiden deutliche Spuren von Peter Tschaikowskys Homosexualität gefunden: Mit dem «Herzensfreund», von dem Lenski im Mittelteil seiner Arie Abschied nimmt, sei mitnichten Olga gemeint, sondern eben Onegin.
Kovalik erzählt in diesem «Eugen Onegin» an der Budapester Staatsoper keine realistische Story, sondern nimmt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dolly war nur der Anfang; jetzt klonen sie bereits Groucho Marx. Zumindest schien der Komiker Ende Juni in vielfacher Ausführung durch Foyer und Zuschauerraum des Grazer Schauspielhauses zu wuseln und sich auch auf der Bühne an mehreren Klavieren gleichzeitig zu betätigen: Männer mit schwarzen Perücken und ebensolchen aufgeklebten Schnäuzern. Perplex der...
Der Hügel ist nicht grün, sondern aus gelbgrauen Ziegeln, gleicht von der Form her eher Pieter Brueghels Turm zu Babel und kann über einen Spiralenweg in knapp mehr als einer Minute erklommen werden. Vor allem aber steht er nicht in Bayreuth, sondern am Donau-Ufer in Budapest, vor dem «Palast der Künste». In diesem vor drei Jahren eröffneten Kulturkomplex fand...
Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen...
