Vom Rotzlöffel zum Rächer
Geschichtsaufarbeitung überall, hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs. Das «Marsdrama» von Karl Kraus darf nicht fehlen. Vor 450 Jahren begann der Freiheitskrieg der Niederlande gegen die spanische Blutherrschaft. Später gab ihm Charles De Coster in seinem Roman die Leitfigur des Ulenspiegel. Heute wimmelt es auf der ganzen Welt von Aufständen, Freiheits-, Sezessions-, Stellvertreter- und nicht erklärten Kriegen.
Glaubte man Adornos apodiktischem Wort, nach Auschwitz sei kein Gedicht mehr möglich, und wäre das schlechte Gewissen für das eigene Überleben nach den Toten des Jahrhunderts die moralische Elle, so hätten Kunstwerke, zumal die, die nicht das Grauen der Gewalt, der Sinnlosigkeit, der Dummheit zu ihrer Sache machen, kein Lebensrecht mehr. Aber kann man Walter Braunfels in seinem 1913 uraufgeführten «Ulenspiegel» sein naives, quasirevolutionäres Engagement am Vorabend des Weltkriegs vorrechnen? Schließlich ahnten die wenigsten, dass dem Weltbrand nur noch der Zündfunke fehlte.
Der Verein EntarteOpera, geleitet von Susanne Thomasberger und Martin Sieghart, hatte beim Brucknerfest 2013 erfolgreich Schrekers «Schatzgräber» in der Linzer Tabakfabrik produziert (OW ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Dietmar Polaczek
Sie wütet und weint, kämpft und klagt. Hin- und hergerissen zwischen Hass und Liebe ist diese Zauberin. Ihr schlimmster Feind, der Kreuzritter Renaud, wird zu ihrem Liebhaber, der sie am Ende wieder verlässt. Gluck verleiht der Titelfigur seiner Oper «Armide» große emotionale Tiefe. Miriam Clark kostet mit ihrem beweglichen, runden Sopran jede Nuance dieses...
Nur mal kurz in die Debatte geworfen, schon lösen gewisse Namen etwas aus. Blut, Schweiß, Sperma, Gewalt – das sind die Stichwörter des Pawlow’schen Denkreflexes, wenn der Name Calixto Bieito fällt. Ein solcher Name nützt auch in einem praktischen Sinn: Er gewährt (dauerhaften) Zutritt zum internationalen Regiezirkus. Jetzt mischt Bieito auch am Staatstheater...
Jonas Kaufmann sorgte neulich für Empörung, weil er sich weigerte, Fans die Hand zu schütteln – könnten ja Hustenbazillen oder Grippeviren dran sein. Oder diese beliebte Pavarotti-Anekdote: Wie der in einem konzertanten «Otello» in Chicago saß, mit einem solchen Berg Medikamente neben sich, dass er glatt seine eigene Apotheke hätte aufmachen können.
Tja, was tut man...
