Wunderklänge, Engelszungen

Hans Zenders «Logos-Fragmente»in einem Live-Mitschnitt aus Freiburg

Opernwelt - Logo

Sie heißen «Passion», «Maria Magdalena», «Im Anfang», «Wein­stock» oder «Geist». Sie sind durchnummeriert, von I bis IX, doch die Reihenfolge spielt keine Rolle. Sie kreisen um Texte aus dem Johannes-Evangelium und der Apostelgeschichte, um apokryphe Quellen (Thomas-Evangelium) und die «Sprüche der Väter» (Pirqe Avot) aus dem babylonischen Talmud. Sie suchen in einer säkularen, um sich selbst taumelnden Welt zu vermitteln, was die Theologie des ersten und zweiten Jahrhunderts unter dem «Wort Gottes» verstand. In immer neuen Anläufen.

Stürmisch, kontemplativ, plastisch, filigran, mit Wun­der­klängen und Engelszungen. Hat Hans Zender in seinen «Logos-Fragmenten» eine neue «geistliche» Musik skizziert, die sich auf das Offene, Bewegliche, Ungereimte, Unabgeschlossene der alten Gottesvorstellungen besinnt? Gibt er mit diesem Werk-Korpus «für 32 Singstimmen und vier Orchestergruppen» so etwas wie komponierte Antworten auf jene Frage, die er 2007 in einem viel beachteten Vortrag aufwarf: «Spirituelle Musik – Was ist das?»

Von der Notwendigkeit «einer bewussten und neu einübenden Hinwendung zu den Kräften der Konzentration und Betrachtung» hatte Zender da gesprochen, von einer «Musik der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Von Neuem träumen

Wie kann sich ein Intendant in Putins Russland profilieren? Wie muss er sich verhalten? Valery Gergiev mit seinem unstillbaren Hunger nach Ausweitung seines Machtbereichs ist ein gutes Beispiel. Sich das Bolschoi-Theater zu angeln, ist dem Mariinsky-Chef nicht gelungen, stattdessen hat er jetzt ein Auge auf das Sankt Petersburger Konservatorium geworfen. Ein...

Ohne Sentimentalität

Christian Gerhaher hat in Kana­da mit Kent Nagano und dem Orchestre symphonique de Montréal die «Lieder eines fahrenden Gesellen» erstmals in der Orchesterfassung eingespielt, außerdem die «Kinder­totenlieder» und «Rückert-Lieder». Die neue CD ist gleich zweimal erschienen. Einmal einzeln, einmal als Teil einer Sammler-Edition mit dreizehn CDs. Die Gerhaher-Box...

Eine Muse namens Jack

Entstehungs- und Aufführungsgeschichte von Offenbachs «Contes d’Hoffmann» sind verworren und verwirrend. Als der deutsch-französische Komponist 1880 starb, hinterließ er seine einzige Oper unvollendet, so dass es in der Folge eine ganze Reihe von Bearbeitungen, Ergänzungen und Umstellungen ge­geben hat. Da eine finale Fassung nicht existiert, setzt jede neue...