Auf halbem Wege
Die Oper kann etwas, das alle anderen Künste nicht können: die Simultaneität von Zeit und Raum», behauptet Michael Hampe in seiner «Opernschule», die sich an «Liebhaber, Macher und Verächter des Musiktheaters» wendet. Hampe möchte mit dem Buch auch Skeptiker für die Oper begeistern. Dabei macht er von Anfang an klar, dass es ihm um die Oper als Kunstwerk geht, nicht um die Institution, den Betrieb – der ist ihm geradezu verhasst.
Möglichst praxisnah hangelt Hampe sich von Grundpfeiler zu Grundpfeiler des Inszenierens, worin er in erster Linie ein Handwerk sieht – da hagelt es auch mal Seitenhiebe auf Quereinsteiger, denen eine Partitur ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die verbale Forschheit bekommt dem Text durchaus, ganz gleich ob man inhaltlich mit dem Autor übereinstimmt oder nicht. Auch die eingestreuten Anekdoten, etwa mit Tito Gobbi und Maria Callas, sind durchaus leserfreundlich.
Interessant sind zumal die Abschnitte zum Thema «Körper im Raum» und «Bewegung», zur szenischen Gestaltung von Rezitativen, der Integration von Hindernissen und anderen spannungsfördernden Unbequemlichkeiten. Auch Hampes Appell an die Sänger, Schubladendenken zu vermeiden, und sein Votum für eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Christoph Vratz
Als ich damals anfing, bläuten mir die Kollegen ein, eine Ehe zwischen Opernsängern sei wie eine Expressfahrkarte in die Hölle. Ich heiratete eine Klarinettistin; der Bund ging trotzdem in die Brüche. Also pfiff ich auf gute Ratschläge und traute mich noch einmal – mit einer Opernsängerin. Und heute, fast zwanzig Jahre später, funktioniert es immer noch erstaunlich...
Das ist der Stoff, aus dem man Opernlibretti (oder Hollywood-Streifen) schneidert: Liebe und Leidenschaft bis in den Tod, Hochmut und Fall, Stolz und Vorurteil. Alles enthalten in Emily Brontës Roman «Wuthering Heights», der beim Erscheinen 1847 durchaus auf Widerspruch stieß, aber längst zum Kanon der englischen Literatur zählt.
Ein gutes Jahrhundert später machte...
Eine Festgesellschaft, zum tableau vivant erstarrt. Nur Violetta bewegt sich, aus dem Rahmen, aus der Zeit gefallen. Das Preludio gilt nur ihr: der Figur, der die Regie die Hauptlast der Gefühle zuschreibt.
So lässt Tatjana Gürbaca die Osloer «Traviata» beginnen. Und genauso wählt David Hermann in Zürich den Einstieg. Dieses bei zwei fast zeitgleich entstandenen...
