Das Hackebeil der Königin
Die Welt ist eine Scheibe. Eine Drehscheibe, um genau zu sein. Eine die Bühne füllende, mit diskreter Beharrlichkeit rotierende kreisrunde Schräge. Alles dreht sich, alles bewegt sich – meist in Zeitlupe –, manchmal knarzt es wie im wirklichen Leben, und man könnte sich vorstellen, dass Bühnenbildnerin Katrin Lea Tag bei Donizettis «Maria Stuarda» am Theater an der Wien das Weltbild des Elisabethanischen Zeitalters aufs Korn nehmen wollte. Obschon damals keiner mehr wirklich an die Scheibentheorie glaubte, nicht mal die Kirche.
Deren Furor gegen die freigeisternden Astronomen Kopernikus, Galilei und Kepler galt ja nicht den Verfechtern einer Kugelgestalt, sondern deren ketzerischer Behauptung, dass die Erde sich um die Sonne drehe und nicht umgekehrt.
Nichtsdestotrotz erhebt diese Scheibe hier Anspruch auf einen Kosmos. Manchmal trägt sie Brueghel’sches Menschengewimmel (repräsentiert vom erneut vorzüglichen Arnold Schoenberg Chor), dann wiederum ist sie leergefegt. Wie stets baut Regisseur Christof Loy auch hier auf sein Prinzip des Abdrucks der Körper im Raum, und mit Marlis Petersen in der Titelpartie sowie Alexandra Deshorties als Elisabetta stehen ihm zwei Protagonistinnen ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché
Die Vorgeschichte dieses Abends liegt neun Jahre zurück. Im Mai 2009 hatte am Aalto-Theater in Essen Richard Wagners «Walküre» Premiere – Dietrich W. Hilsdorfs zweite Wagner-Regie. Teil eines von vier Regisseuren übernommenen «Ring des Nibelungen». Das schmeckte natürlich nach einem Wiederaufguss des «Stuttgarter Modells» von 2002/03, der in Essen (mit Ausnahme von...
Die Szene ist grotesk, die Musik dazu wundervoll. Bertarido, exilierter, totgeglaubter König, ist inkognito in sein Land zurückgekehrt, steht vor seinem Grabmal und liest jene Inschrift, die von seinem (Ab-)Leben kündet. Seine Seele brüllt, seine Stimme aber kleidet die Qualen des verwundeten Herzens in die denkbar mildesten Töne: Die Arie «Pompe vane di morte!»...
Geht es um Belcanto, «geben sich die Produzenten meist damit zufrieden, um ein paar Vokalstars herum dekorative Arrangements zu schaffen», habe ich aus früherem Anlass einmal moniert. Wie schön, dass ich jetzt von drei prominenten Gegenbeispielen berichten kann, bei denen die Regisseure die szenischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die in den Stücken stecken,...
