Kitsch für Kenner
Operette braucht Stars. Mehr noch als die große Schwester Oper lebt das unterhaltende Musiktheater von charismatischen Persönlichkeiten, die aus brauchbarem Material eine tolle Show machen. Wer die Geschwister Pfister engagiert, bekommt den Glamour gleich im Dreierpack: Auf den Kleinkunstbühnen der Republik sind sie groß geworden, als wahlverwandte Kunstfiguren Fräulein Schneider, Ursli und Toni wechseln sie virtuos die Identitäten, Geschlechter und Musikstile.
Lange haben sie davon geträumt, Nico Dostals «Clivia» auf eine Staatstheaterbühne zu bringen, mit all dem szenischen Pomp und dem personellen Aufwand, den die Revueoperette von 1933 braucht – und den sich nur subventionierte Häuser leisten können.
Barrie Kosky, der australische Intendant der Komischen Oper mit jüdisch-osteuropäischen Wurzeln und angloamerikanischem Unverständnis für die deutsche Trennung von E- und U-Kunst, hat es ihnen nun ermöglicht. Weil sein Haus einst als Vergnügungstempel erbaut worden ist, gehört die Operette bei Kosky zu den tragenden Säulen des Spielplans. Sein Ensemble ergänzt er dabei regelmäßig um Berliner Entertainment-Größen: Die konzertanten Aufführungen von Kalmans «Bajadere» sowie der ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Frederik Hanssen
Festspiele sollen etwas Einmaliges, Außergewöhnliches, Nicht-Alltägliches sein. Ist dies in einer von den Medien beherrschten Zeit überhaupt noch möglich?
In Wien entsteht jedes Jahr ein im Kleid von Festwochen sich darstellendes Konstrukt aus Veranstaltungen – Theater, Oper, Konzert, Performance, Bildende Kunst –, die einem bestimmten Gedanken folgen. Wenn Sie so...
Für die vier «Klassiker» der tschechischen Musik war die Oper kein Nebengleis. Das immerhin haben Bedrich Smetana, Antonin Dvorák, Leos Janácek und Bohuslav Martinu gemeinsam. Smetana, der Älteste, figuriert als Schöpfer der tschechischen «Nationaloper» – zum Teil späte Selbststilisierung, zum Teil von der Nachwelt erteiltes Attribut. Eine gewisse Berechtigung...
Boris Blacher (1903-1975) sorgte mit seiner «Abstrakten Oper Nr. 1» für den größten Opernskandal im Nachkriegsdeutschland (Mannheim 1953). Es war eine Diskussion, die um weit mehr kreiste als nur eine mehr oder weniger gelungene Novität des musikalischen Theaters. Es ging um das Verhältnis von Abstraktem und Gegenständlichkeit in der Kunst, ja um deren...
