Schuld und Sühne
Sanft steigt die Violin-Lineatur aus dem Graben, die Robert Schumann aus dem Geiste Mendelssohns entwickelt. Diskret verstärken die Holzbläser die Höhenlinien des nazarenischen E-Dur-Andante, das auf ein Alt-Solo zuführt: «Vor Edens Tor im Morgenprangen stand eine Peri schmerzbefangen.» Diese Peri, Figur eines fernen indischen Himmels, ist aus näher nicht genannten Gründen «gefallen». Das höhere Wesen will Rehabilitation, indem es sich auf die Suche nach dem «erlösenden Gut» begibt. Sharon Kempton tut es in Wiesbaden mit der wohltuend dosierten Kraft ihres souveränen Soprans.
Dabei stößt sie in dem von Schumann zusammen mit seinem Jugendfreund Emil Flechsig nach Thomas Moores Epos «Lalla Rookh» (1817) verfassten Libretto auf einen tapferen patriotischen Jüngling (Christopher Busietta), der sich dem Tyrannen Gazna entgegenstellt und dies mit dem Leben büßt. Doch «des Himmels liebste Gabe» ist das Blut des Freiheitskämpfers nicht. Peri muss weiter suchen. Am Nilufer stößt sie auf einen Pestkranken, dessen Braut die Ansteckung nicht fürchtet, den Geliebten küsst – und mit ihm zugrunde geht. Doch auch die letzten Atemtröpfchen der Liebenden verschaffen noch nicht den neuerlichen Zugang ...
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